Mobilisierung ungenutzter Potenziale

Gasförmige Biomasse

Biogasanlage der Stadtwerke in Fellbach
Biogasanlage Fellbach

Biogas steht für alle Gase, die durch Vergärung aus Biomasse entstehen und die energetisch verwertbar sind. Es wird als Klärgas und Deponiegas oder als Produkt von Biogasanlagen insbesondere in Blockheizkraftwerken genutzt.

Seit etwa 2005 findet ein starker Marktzuwachs bei der Stromerzeugung durch landwirtschaftliche Biogas-Anlagen statt. Mittlerweile erzeugen Biogas-Anlagen mehr Strom als Anlagen mit fester Biomasse (zum Beispiel Holzheizkraftwerke) oder flüssiger Biomasse (zum Beispiel Pflanzenöl-BHKW).

Biogas wird aktuell überwiegend aus speziell zu diesem Zweck angebauten Energiepflanzen gewonnen, vor allem aus Mais. Im Jahr 2011 wurden rund 78.000 Hektar bzw. 9,4 Prozent der Ackerfläche in Baden-Württemberg zur Erzeugung von Biogas genutzt. Eine weitere Steigerung erscheint aus Gründen der Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion und zur Biodiversität nur noch in geringem Umfang möglich.

Mobilisierung ungenutzter Potenziale

Für die zusätzlich benötigte Biomasse sollte deshalb vorwiegend auf Reststoffe zurückgegriffen werden. Das sind insbesondere tierische Exkremente, die bisher max. zu 15 Prozent genutzt werden, sowie nicht für die Tierfütterung benötigter Grünlandaufwuchs. Zusätzlich müssen zukünftig auch bisher kaum eingesetzte Substrate herangezogen werden, zum Beispiel leicht vergärbare Reste aus der landwirtschaftlichen Verarbeitung, Bioabfall und nicht holzige Grünabfälle, aber auch schwieriger vergärbare, halmgutartige Reststoffe aus der Landschaftspflege und Stroh.

Bio- und Grünabfälle werden bislang überwiegend nur als Kompost verwendet. Neben einem Ausbau der getrennten Sammlung sollte der Kompostierung eine energetische Nutzung vorgeschaltet werden. Holziges Material kann in Feuerungsanlagen, nicht holziges Material in Vergärungsanlagen genutzt werden. Hier bietet zudem die neu in das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) aufgenommene gesonderte Vergütung der Bioabfallvergärung eine interessante Einnahmequelle für Kommunen.

Auch bei Festbrennstoffen sind die leicht verfügbaren Potenziale weitgehend ausgeschöpft. Nennenswerte freie Potenziale bestehen noch bei Grünabfällen und in der Landschaftspflege.

Effizienz der Energieumwandlung erhöhen

Zusätzlich zur Mobilisierung bisher ungenutzter Potenziale muss die Effizienz der Energieumwandlung verbessert werden. Das betrifft bei landwirtschaftlichen Biogasanlagen vorwiegend die Vergärungseinheit, bei Feuerungsanlagen den Stromwirkungsgrad. Außerdem müssen marktreife Techniken zur Stromerzeugung aus Festbrennstoffen im kleinen Leistungsbereich (100 bis 500 Kilowatt) weiterentwickelt werden. Dadurch könnte ein Teil des vorgesehenen Ausbaus der Stromerzeugung ohne zusätzlichen Biomasseinput stattfinden.

Sehr wichtig ist auch die Steigerung des Gesamtwirkungsgrads durch eine verstärkte Nutzung der anfallenden Wärme. Vor allem bei Bestandsanlagen muss bislang ungenutzte Wärme einer Nutzung zugeführt werden.