Entsorgung

Klärschlämme

Klärschlamm in einer Kläranlage

Rechtlicher Hintergrund und Situation in Baden-Württemberg 

Kommunaler Klärschlamm zählt zur Gruppe der Siedlungsabfälle und ist somit dem Regelungsbereich des Kreislaufwirtschaftsgesetzes unterworfen. In der am 15. April 1992 verabschiedeten Klärschlammverordnung (AbfKlärV) sind die Bedingungen für einen ordnungsgemäßen und schadlosen Einsatz von Klärschlämmen als Sekundärrohstoffdünger im Sinne der Düngemittelverordnung geregelt.

Nach den Vorgaben der Klärschlammverordnung werden die für die landwirtschaftliche Verwertung bestimmten Klärschlämme laufend auf Schwermetallgehalte, AOX-, Dioxin- und PCB-Belastung untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass die Belastung der Klärschlämme mit diesen „klassischen“ Schadstoffen abgenommen hat und vielerorts – aber noch nicht durchgängig – unter den derzeit zulässigen Werten für die landwirtschaftliche Verwertung liegt.

Klärschlämme enthalten jedoch auch eine Vielzahl organischer Schadstoffe, deren Untersuchung von der Klärschlammverordnung bislang nicht gefordert wird, die sich aber in Böden und Grundwasser anreichern können. Viele dieser schwer abbaubaren, ökotoxischen Substanzen kommen nicht nur in produktionsbedingten Abwässern, sondern zunehmend auch im häuslichen Abwasser vor. Substanzen wie Arzneimittelwirkstoffe, Kosmetika, Rückstände aus Wasch- und Reinigungsvorgängen, Weichmacher aus Kunststoffen und Flammschutzmittel zählen dazu.

Die im Klärschlamm enthaltenen Nährstoffe zu nutzen, liegt im Sinne des Kreislaufwirtschaftsgedankens. Dies rechtfertigt aber nicht, die mit hohem Aufwand mühsam aus den Abwässern entfernten Schadstoffe über die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung wieder breitflächig in der Umwelt zu verteilen. Ziel einer Kläranlage ist es, nicht abbaubare Schadstoffe möglichst weitgehend aus dem Abwasser zu entfernen und im Klärschlamm zu konzentrieren.

Klärschlämme haben daher die Funktion einer Schadstoffsenke bei der Abwasserreinigung und müssen wie alle Abfälle einer geregelten Entsorgung zugeführt werden. Auch gibt es mittlerweile technische Verfahren, mit denen Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff aus dem Klärschlamm zurückgewonnen werden können. So bleiben die Schadstoffbelastungen im Klärschlamm und Phosphor und Stickstoff können als Sekundärrohstoffdünger genutzt werden.

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft und das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz halten die Fortführung der Klärschlammverwertung auf Böden trotz der Regelungen der Klärschlammverordnung nach wie vor für nicht vertretbar und raten deshalb zur energetischen Klärschlammverwertung.

Des Weiteren setzt sich Baden-Württemberg, zusammen mit Bundesländern wie Bayern und Nordrhein-Westfalen, für eine Verschärfung der Anforderungen an die bodenbezogene Klärschlammverwertung ein, um den Ausstieg aus der Klärschlammaufbringung auf Böden zu erreichen.

Mengen und Entsorgungswege

Nahezu jeder Betrieb und fast jeder Einwohner in Baden-Württemberg ist über die Kanalisation an eine der rund 1.000 kommunalen Kläranlagen angeschlossen. Bei der Abwassereinigung fallen jährlich etwa 240.000 Tonnen Klärschlamm (Trockenmasse) an, wovon über 90 % verbrannt werden. In der Landwirtschaft werden etwa 2 % und im Landschaftsbau etwa 7 % verwertet.

Die energetische Verwertung von Klärschlamm aus Baden-Württemberg erfolgt in drei Klärschlamm-Monoverbrennungsanlagen, in zwei Klärschlammvergasungsanlagen und in einer Papierfabrik in Baden-Württemberg. Darüber hinaus werden Klärschlämme in Kohlekraftwerken und Zementwerken in und außerhalb Baden-Württembergs mitverbrannt.

Derzeit stehen in Baden-Württemberg genehmigte Verbrennungskapazitäten für insgesamt ca. 290.000 Tonnen Klärschlammtrockensubstanz im Jahr zur Verfügung, davon etwa 85.000 Tonnen in Kohlekraftwerken, ca. 55.000 Tonnen in Monoverbrennungsanlagen und ca. 150.000 Tonnen in Zementwerken.