Entsorgung

HBCD-haltige Bauabfälle

Das Flammschutzmittel HBCD (= Hexabromcyclododecan) ist ein Stoff, der die Umwelt schädigen kann, wenn er nicht ordnungsgemäß beseitigt und zerstört wird. HBCD fällt unter das Stockholmer Übereinkommen zu persistenten organischen Schadstoffen (= persistent organic pollutants – POP) und infolgedessen auch unter die sogenannte POP-Verordnung der EU. Wegen seiner POP-Eigenschaften wurde die Produktion inzwischen eingestellt.

Ziel ist es, diesen in Bauschäumen aus Polystyrol (bekannt als Styropor) enthaltenen Stoff gezielt und schadlos aus dem Wirtschaftskreislauf zu entfernen. Die ursprüngliche Einstufung als gefährlicher Abfall sollte die Überwachung dieses Stoffstromes ermöglichen. Auf die von der Bau- und Entsorgungsbranche berichteten Engpässe bei der Entsorgung von Dämmplatten, die als gefährlicher Abfall eingestuft waren, reagierte das Umweltministerium mit zahlreichen Antwortschreiben und zwei Erlassen.

POP-Abfall-Überwachungs-Verordnung des Bundes

Diese wurden nun am 1. August 2017 von der „Verordnung zur Überwachung von nicht gefährlichen Abfällen mit persistenten organischen Schadstoffen und zur Änderung der Abfallverzeichnis-Verordnung" (POP-Abfall-ÜberwV) abgelöst. Sie soll die Probleme bei der Entsorgung dauerhaft und bundeseinheitlich lösen und eine umfassende Überwachung sicherstellen.

Die POP-Abfall-ÜberwV stuft die HBCD-haltigen Bauabfälle nicht mehr als gefährlich ein. Sie gewährleistet aber durch die geforderte Getrennthaltung und Nachweisführung eine lückenlose Überwachung der Abfälle bis zu der Anlage, in der die POP zerstört oder unumkehrbar umgewandelt werden. Sowohl die in Vorbehandlungsanlagen erzeugten Gemische als auch POP-haltige „Sekundärabfälle", die aus Gemischen aussortiert werden, fallen in den Anwendungsbereich der Verordnung.

Die Regelungen zu den Nachweis- und Registerpflichten sind den Regelungen für gefährliche Abfälle nachgebildet. So kann insbesondere auf das Sammelentsorgungsnachweisverfahren des § 9 NachwV zurückgegriffen werden allerdings mit der Modifikation, dass die in § 9 Absatz 1 Satz 1 Nummer 4 NachwV genannte Mengenbegrenzung von 20 Tonnen pro Jahr nicht gilt.

Die chemische Industrie arbeitet an der Entwicklung technischer Verfahren, die eine Herauslösung von HBCD aus Bauschäumen und damit eine separate Entsorgung dieses Stoffes möglich machen sollen. Wann diese Verfahren eingesetzt werden können, ist derzeit noch offen. Nach der Markteinführung dieser Verfahren ist über das Vorgehen bei der Entsorgung von Bauschäumen neu zu entscheiden.