Ob neue Windenergieanlagen, zusätzliche Ladesäulen oder die Elektrifizierung von Industrie und Wärmeversorgung: Der Bedarf an leistungsfähigen Stromnetzen wächst. In vielen Regionen Baden-Württembergs stoßen die vorhandenen Netze bereits an ihre Grenzen. Das erschwert nicht nur den Anschluss neuer Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien. Auch Unternehmen und andere Stromverbraucher können zunehmend nicht mehr im gewünschten Umfang oder zum benötigten Zeitpunkt mit Netzkapazitäten versorgt werden.
Um den Ausbau der Stromnetze zu beschleunigen und bestehende Engpässe abzubauen, hat die Landesregierung die Task Force Netzausbaubeschleunigung ins Leben gerufen. Am 20. Oktober 2026 hat sie offiziell ihre Arbeit aufgenommen. Gemeinsam mit Netzbetreibern, Unternehmen, Verbänden, Kommunen und Behörden sollen nun konkrete Lösungen entwickelt werden.
Die Einrichtung der ressortübergreifenden Task Force ist im Koalitionsvertrag 2026 verankert. Sie baut auf den bisherigen Aktivitäten des Landes zum Stromnetzausbau auf und soll dazu beitragen, den Ausbau der Stromnetze an den wachsenden Bedarf anzupassen. Denn leistungsfähige Stromnetze sind nicht nur für die Energiewende und die Versorgungssicherheit entscheidend, sondern auch ein maßgeblicher Standortfaktor für die Wirtschaft in Baden-Württemberg. Unternehmen benötigen ausreichende Netzkapazitäten und verlässliche Anschlussmöglichkeiten, um investieren und ihre Produktion elektrifizieren zu können.
Stromnetzausbau beschleunigen und vorhandene Netze besser nutzen
Ein wichtiges Ziel ist es, die Dauer von Netzausbauvorhaben deutlich zu verkürzen – von bislang zehn auf künftig möglichst fünf Jahre. Dafür sollen Hemmnisse frühzeitig erkannt und Genehmigungs- und Umsetzungsprozesse beschleunigt werden.
Gleichzeitig sollen die vorhandenen Stromnetze besser genutzt werden. Denn nicht alle Engpässe lassen sich kurzfristig durch den Bau neuer Leitungen beheben. Die Task Force soll deshalb Lösungen entwickeln, um bestehende Netzkapazitäten effizienter zu nutzen, zusätzliche Netzanschlüsse zu ermöglichen und die Zahl abgelehnter Anschlussanfragen zu verringern.
Hemmnisse abbauen und Verfahren vereinfachen
Die Task Force nimmt den gesamten Prozess des Netzausbaus in den Blick – von der Ermittlung des Ausbaubedarfs über Planung und Genehmigung bis zur Umsetzung. Dabei sollen sowohl rechtliche und administrative Hemmnisse als auch praktische Schwierigkeiten identifiziert und angegangen werden.
Die Arbeit konzentriert sich auf zwei Bereiche:
- Netzausbau und Genehmigungsverfahren: Hier geht es um die Beschleunigung der Planung, Genehmigung und Umsetzung von Netzausbauvorhaben auf allen Spannungsebenen. Darüber hinaus soll unter anderem auch die Flächenverfügbarkeit für Umspannwerke und Leitungen verbessert werden.
- Netzanschluss und effiziente Netznutzung: Im Mittelpunkt stehen Möglichkeiten, bestehende Netzkapazitäten besser zu nutzen, Netzanschlüsse flexibler zu gestalten und die Vergabe verfügbarer Anschlusskapazitäten zu verbessern. Auch die gemeinsame Nutzung von Netzanschlüssen durch unterschiedliche Anlagen kann dabei eine Rolle spielen.
Gemeinsam Lösungen für die Praxis entwickeln
In der Task Force arbeiten Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Ministerien und Behörden mit Netzbetreibern, Unternehmen, Netzanschlussnehmern, Verbänden und der kommunalen Ebene zusammen. Ziel ist es, unterschiedliche Perspektiven frühzeitig zusammenzubringen und Lösungen zu entwickeln, die sich in der Praxis umsetzen lassen.
Die Task Force wird von einem Lenkungsgremium unter dem Vorsitz von Energieministerin Thekla Walker gesteuert. Die inhaltliche Arbeit erfolgt in Arbeitsgruppen, die sich mit den jeweiligen Hemmnissen und möglichen Beschleunigungsmaßnahmen befassen.
Die erarbeiteten und festgelegten Beschleunigungsmaßnahmen sollen in einem Landes-Netzausbaubeschleunigungsgesetz verankert werden. Damit will die Landesregierung die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, um den Netzausbau dauerhaft zu beschleunigen.
Die nächsten Schritte
Dem Start der Task Force ging ein intensiver Austausch mit den beteiligten Akteuren voraus. Bereits im Juni 2026 wurden mögliche Hemmnisse und Beschleunigungsansätze abgefragt. Im Juli folgten weitere Gespräche und die Auswertung der Rückmeldungen.
Auf dieser Grundlage erarbeiten die Arbeitsgruppen Vorschläge zum Abbau der bestehenden Hemmnisse. Anschließend sollen die Vorschläge bewertet und die nächsten Schritte zur Umsetzung abgestimmt werden.
