Baden-Württemberg hat sich zum Ziel gesetzt, gemäß Paragraf 10 Klimagesetz Baden-Württemberg bis 2040 netto-treibhausgasneutral zu werden. Dazu sind ein tiefgreifender Umbau unseres Energiesystems und eine weitreichende Umstellung auf innovative und emissionsfreie Technologien in allen Sektoren notwendig.
Neben der Elektrifizierung durch erneuerbare Energien und der Energieeffizienz spielt der Auf- und Ausbau einer erneuerbaren Wasserstoffwirtschaft eine entscheidende Rolle. Eine diversifizierte und zuverlässige sektorenübergreifende Versorgung mit erneuerbarem Wasserstoff wird daher ein wichtiger Bestandteil zur Erreichung der Klimaneutralitätsziele und zur Standortsicherung des Landes Baden-Württemberg sein.
Als strategischen Fahrplan verabschiedete das Kabinett des Landes 2020 die Wasserstoff-Roadmap Baden-Württemberg. Im Jahr 2023 wurde die Roadmap um einen ersten Fortschrittsbericht ergänzt. Zentrale Schwerpunkte des Fortschrittsberichtes sind die Bereitstellung von Wasserstoff und der Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur.
Die Umsetzung und Weiterentwicklung der Konzepte und Strategien wird durch die Plattform H2BW unterstützt, die bei der Landesagentur für neue Mobilitätslösungen und Automotive Baden-Württemberg e-mobil BW GmbH eingerichtet wurde.
Wasserstoff-Versorgungskonzept als Erweiterung der Wasserstoff-Roadmap
Das Wasserstoff-Versorgungskonzept (PDF, 2026) zeigt verschiedene Versorgungsoptionen und -wege auf und soll dadurch den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Baden-Württemberg unterstützen. Es bietet einen Einblick in den momentanen Stand des Wasserstoffmarkthochlaufs, in die voraussichtlichen Wasserstoffbedarfe, in den Aufbau eines Wasserstoffnetzes, in die lokale Wasserstofferzeugung sowie in internationale Erzeugungspotenziale und Wasserstofftransportoptionen.
Die Grafik stellt die zentralen Parameter einer resilienten Wasserstoff-Versorgung dar. Sie zeigt drei miteinander verbundene Bereiche entlang der Wasserstoffwertschöpfungskette: die Erzeugung von Wasserstoff und Wasserstoffderivaten, den Transport und die Distribution und die Anwendung. Diese Bereiche sind durch Pfeile miteinander verbunden und bilden eine Prozesskette von der Erzeugung über den Transport bis zur Nutzung.
Übergeordnet werden diese drei Bereiche durch das Wasserstoffangebot beeinflusst. Gleichzeitig wirkt die Wasserstoffnachfrage auf die gesamte Kette zurück. Die Darstellung verdeutlicht, dass Angebot und Nachfrage sowie die einzelnen Prozessschritte eng miteinander verknüpft sind und aufeinander abgestimmt werden müssen.
Die gesamte Darstellung ist von Rahmenbedingungen umgeben, die alle Bereiche der Wasserstoff-Versorgung beeinflussen.
Im Wasserstoff-Versorgungskonzept nehmen die regionale und die internationale Wasserstofferzeugung gleichermaßen einen zentralen Stellenwert ein. Es ist ein Anliegen der Landesregierung, die lokale Wasserstofferzeugung zu fördern und gleichzeitig geeignete Rahmenbedingungen für den Aufbau nationaler und internationaler Wasserstoffinfrastruktur zu schaffen und zu unterstützen. Internationale Partnerschaften mit potenziellen Wasserstofferzeugungsländern werden intensiviert.
Im Wasserstoff-Versorgungskonzept festgehaltene Maßnahmen der Landesregierung sowie Handlungsempfehlungen an Akteurinnen und Akteure im Wasserstoffsektor betreffen daher Parameter entlang der gesamten Wasserstoffwertschöpfungskette, von der Erzeugung bis zur Anwendung.
Wasserstoff in Baden-Württemberg: Bedarf, Versorgung und Infrastruktur
Eine verlässliche Nachfrage ist eine wichtige Planungskomponente und wirtschaftliche Voraussetzung für den Aufbau einer Wasserstoffversorgung. Deshalb müssen sich die Preise auf der Nachfrageseite und die Investitionskosten in Erzeugungsanlagen stufenweise annähern. Ermittelte Bedarfe sind erste Indikatoren für die Entwicklung der zukünftigen Wasserstoffnachfrage.
Die Landesregierung wird die Prognosen von Wasserstoffbedarfen in Baden-Württemberg durch Studien und Erhebungen begleiten, um eine höhere Planungssicherheit zu gewährleisten.
Des Weiteren wird auf Bundesebene empfohlen, die Bedarfe regelmäßig im Netzentwicklungsplan (NEP) Gas- und Wasserstoff zu überprüfen.
Der zügige Infrastrukturausbau ist eine zentrale Voraussetzung für den Wasserstoffhochlauf. Ein wesentlicher Faktor ist die Einrichtung eines Transportsystems (Kernnetz, Verteilnetz) einschließlich Speicher für große Mengen an Wasserstoff. Der Aufbau der Pipelineinfrastruktur ist nur bei unterstützenden Rahmenbedingungen möglich.
Die Landesregierung empfiehlt dem Bund, die Finanzierungsbedingungen für Investitionen der Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) in das Kernnetz zu verbessern und weitere Verbindungen im Süden Baden-Württembergs zu berücksichtigen, insbesondere die Verlängerung des Kernnetzes entlang der Rheinschiene. Außerdem empfiehlt die Landesregierung, den Auf- und Ausbau eines Wasserstoffverteilnetzes regulatorisch und finanziell zu unterstützen und dieses im Netzentwicklungplan (NEP) Gas- und Wasserstoff zu berücksichtigen. Eine Maßnahme der Landesregierung ist die Überprüfung von Wasserstoffspeicherkapazitäten.
Für die dezentrale Wirtschaftsstruktur Baden-Württembergs ist der Aufbau regionaler und lokaler Erzeugungskapazitäten wichtig, um eine Nachfrage decken zu können, die zeitlich vor der Inbetriebnahme oder räumlich außerhalb des Einzugsbereichs von Wasserstoffnetzen entsteht.
Eine lokale Wasserstofferzeugung muss so konzipiert werden, dass sie auch mittel- bis langfristig als tragendes Element einer Wasserstoffversorgung wirtschaftlich betrieben werden kann und regionale Wertschöpfungsketten unterstützt. Die Wirtschaftlichkeit hängt vor allem von den Kapitalkosten, dazugehörigen Infrastrukturen, den Bezugskosten für den erneuerbaren Strom sowie den Betriebsstunden des Elektrolyseurs ab.
Die Landesregierung wird sich daher weiterhin für den Aufbau von Wasserstoff-Hubs einsetzen. Niedrige Stromkosten beim Betrieb von Elektrolyseuren sind ebenfalls ein Anliegen.
Internationale Importe werden mittel- und langfristig den Großteil des Wasserstoffangebots in Baden-Württemberg bestimmen. Stabile Lieferbeziehungen und eine Diversifizierung der Importe sind wichtige Ziele.
Die Landesregierung unterstützt den Aufbau eines globalen Wasserstoffmarktes. Wasserstoffpartnerschaften des Landes sollen intensiviert und fortgeführt sowie Aktivitäten und Wasserstoffpartnerschaften des Bundes unterstützt werden. Die Unterstützung von Offtake-Initiativen und neuen Garantieinstrumenten spielt ebenfalls eine Rolle.
Zudem empfiehlt die Landesregierung, Auktionsmodellen wie H2Global weiterzuentwickeln, sodass auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) diese nutzen können.
Die Landesregierung begleitet internationale Aktivitäten baden-württembergischer Unternehmen im Bereich Wasserstoff sowohl beim Wasserstoffbezug als auch zum Technologieexport. Baden-Württembergs international anerkannte Forschungseinrichtungen und innovative Unternehmen können wichtige Beiträge zum Aufbau einer internationalen Wasserstoffwirtschaft leisten.
Damit der im Ausland produzierte Wasserstoff nach Baden-Württemberg gelangt, sind verschiedene Transportwege von Bedeutung. Pipelineverbindungen bieten die kostengünstigste Variante große Mengen an Wasserstoff zu transportieren. Daher setzt sich die Landesregierung für die Entwicklung der europäischen Pipeline-Korridore ein.
Es wird auch die Schaffung eines geeigneten Finanzierungsinstruments für den European Hydrogen Backbone auf EU-Ebene empfohlen. Abseits der Pipelineanbindung können Wasserstoffderivate und flüssiger Wasserstoff über Schiff, Schiene und Trailer nach Baden-Württemberg transportiert werden. Die Landesregierung plant, maritime Importpfade und Transportoptionen über Binnenschiff, Güterzug oder LKW zu beobachten und zu untersuchen, um eine diversifizierte und resiliente Wasserstoffversorgung zu unterstützen.
Parallel zur Veröffentlichung des Versorgungskonzepts ist eine Studie zu möglichen Kosten- und Preiskorridoren, zeitlichen Verläufen sowie verfügbaren Mengen an Wasserstoff und Wasserstoffderivaten aus Sicht des Landes Baden-Württemberg erstellt worden.
Eine resiliente und verlässliche Versorgung Baden-Württembergs mit Wasserstoff erfordert einen erfolgreichen lokalen und internationalen Wasserstoffmarkthochlauf sowie eine ausreichend ausgelegte Wasserstoffinfrastruktur.
In Anlehnung an die Wasserstoff-Roadmap und den Fortschrittsbericht unterstützt die Landesregierung Baden-Württemberg auch künftig den Aufbau einer nachhaltigen Wasserstoffversorgung in Baden-Württemberg, um die Netto-Treibhausgasneutralität bis 2040 zu erreichen.
Einbettung in weitere Strategien und Konzepte auf Landesebene
Das Wasserstoff-Versorgungskonzept steht im Zusammenhang mit weiteren Strategien und Konzepten des Landes:
Energiekonzept für Baden-Württemberg (PDF, 2024) Bericht „Sektorziele 2030 und klimaneutrales Baden-Württemberg 2040“ (PDF) Bericht über die Projektionen von Treibhausgasemissionen und deren Auswirkungen auf das Erreichen der Klimaschutzziele für Baden-Württemberg und der Sektorziele (PDF, 2024) Roadmap reFuels für Baden-Württemberg (PDF) Aktionsplan reFuels (PDF) Positionspapier der Landesregierung Baden-Württemberg zu Carbon Management (PDF)
Ergänzende Analysen zum Wasserstoff-Versorgungskonzept
Die Studie Fakten und Parameteranalyse zur Wasserstoffversorgung Baden-Württembergs (PDF, 2026), Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH (LBST) und Fraunhofer ISE, bündelt den aktuellen Wissensstand zu Wasserstoffbedarfen, Versorgungsoptionen, Importkorridoren, Infrastrukturentwicklungen sowie zu Kosten und Zahlungsbereitschaft. Sie ist Teil einer Maßnahme des Wasserstoff-Versorgungskonzepts.
Die durch das Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Analyse verschiedener Versorgungsoptionen Baden-Württembergs mit Wasserstoff und Wasserstoffderivaten (PDF, 2025), Fraunhofer ISE, ermöglicht wichtige Einblicke in internationale Versorgungsoptionen.
Kontakt
Fragen und Anregungen zum Thema Wasserstoff können Sie per E-Mail an das Umweltministerium richten.
