Für den Industrie- und Technologiestandort Baden-Württemberg bietet erneuerbarer Wasserstoff – klimaneutral aus erneuerbarem Strom erzeugt – große Potenziale. Um diese Potenziale zu nutzen, hat das Umweltministerium in enger Abstimmung mit Industrie, Wissenschaft, Verbänden und Politik die Wasserstoff-Roadmap für Baden-Württemberg erarbeitet.
Ziele der Roadmap
Die Wasserstoff-Roadmap für Baden-Württemberg soll
- dazu beitragen, den Einsatz fossiler Energieträger in den unterschiedlichen Sektoren wie Industrie, Mobilität und Energiewirtschaft umfassend zu reduzieren und damit auch die Treibhausgas-Emissionen (THG) zu verringern
- den Auf- und Ausbau einer Wasserstoffwirtschaft begleiten, um Baden-Württemberg national wie auch international als führenden Standort der Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Industrie zu präsentieren.
In der Roadmap sind konkrete Zielsetzungen und Maßnahmen definiert, um die Wasserstoffwirtschaft im Land zu forcieren und zu fördern. Bei der Festlegung der Ziele und Maßnahmen wurden alle relevanten Dimensionen des Aufbaus einer lokalen Wasserstoffwirtschaft berücksichtigt: Produktion, Infrastruktur, Anwendungen.
Die Entwicklungen im Bereich Wasserstoff sind sehr dynamisch. Einerseits steht Wasserstoff beim Thema Versorgungssicherheit zunehmend im Fokus und andererseits werden auf europäischer und nationaler Ebene derzeit Rahmenbedingungen erarbeitet, die entscheidenden Einfluss auf einen beschleunigten Ausbau der Wasserstoffwirtschaft haben.
Die Wasserstoff-Roadmap Baden-Württemberg (PDF, 2020) wurde am 15. Dezember 2020 vom Kabinett des Landes beschlossen. Sie gibt den Weg für die kommenden Jahre vor, den Baden-Württemberg gehen muss, um zu einem führenden Standort für Wasserstoff- und Brennstofftechnologien zu werden.
Mit dem ersten Fortschrittsbericht 2023 wird die Roadmap weiterentwickelt und um relevante Handlungsfelder ergänzt. Der Fortschrittsbericht stellt das aktuellste Dokument des Fahrplans für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Baden-Württemberg dar.
Die Umsetzung und Weiterentwicklung der Roadmap wird durch die Plattform H2BW unterstützt, die bei der Landesagentur für neue Mobilitätslösungen und Automotive Baden-Württemberg e-mobil BW GmbH eingerichtet wurde.
Inhaltliche Schwerpunkte der Roadmap
In der Wasserstoff-Roadmap Baden-Württemberg wurden Handlungsschwerpunkte für das Land identifiziert und mit 28 Maßnahmen entlang der Wasserstoffwertschöpfungskette unterlegt. Die Wertschöpfungskette ist in die Sektoren Erzeugung/Verteilung/Speicherung, Industrie, Mobilität, Gebäude und Stromerzeugung unterteilt. Die baden-württembergische Roadmap orientiert sich dabei an der nationalen Wasserstoffstrategie sowie an der Wasserstoffstrategie der Europäischen Union.
Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien und lokaler Erzeugungskapazitäten ist es entscheidend, dass sich Baden-Württemberg für die eigene Versorgungssicherheit in enger Abstimmung mit den Bundesländern, der Bundesregierung und auf europäischer Ebene für nationale, europäische und globale Energiepartnerschaften einsetzt.
Außerdem müssen frühzeitig nationale und internationale Rahmenbedingungen und Zertifikate für den globalen Handel, die Verteilung und die Nutzung von Wasserstoff etabliert werden, die wirtschaftliche Geschäftsmodelle ermöglichen. Die Landesregierung wird hierfür eigene Initiativen starten und sich auf Bundes- und europäischer Ebene dafür einsetzen.
Zentrale Handlungsfelder
Aus heutiger Sicht müssen unterschiedliche Ansätze zur Erreichung der Emissionsziele verfolgt werden, um den unterschiedliche Entwicklungen und Anforderungen verschiedener Mobilitätsformen und -anwendungen (Straße, Schiene, Wasser, Luft) gerecht zu werden. Ein Ziel ist, dass Unternehmen der Automobilindustrie durch Anpassungsentwicklung Systemkomponenten, die heute für den verbrennungsmotorischen Antrieb eingesetzt werden, auch im Brennstoffzellen-Antrieb nutzen können.
Der Industriesektor stellt mit Raffinerien und Prozesswärme den potenziell zweitwichtigsten Sektor für die Wasserstoffnachfrage in Baden-Württemberg dar. Langfristig wird der Einsatz zur Prozesswärmeerzeugung in Industriesektoren wie der Zement-, Glas- und Papierherstellung in den Fokus rücken. Darüber hinaus kann Wasserstoff in weiteren Industrien als Reduktionsmittel relevant werden.
Der Stromsektor weist in Baden-Württemberg kurz- und mittelfristig einen eher geringen Wasserstoffbedarf auf. Langfristig können sich Einsatzbereiche in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zur kombinierten Strom- und Wärmeerzeugung ergeben. Hierfür sollte eine Wasserstoff-Readiness-Strategie verfolgt werden.
Durch den Ausbau der Produktionsforschung für die neuen Technologien sowie den Aufbau unabhängiger Test- und Kompetenz-Zentren für Technologiekomponenten sollen der stark mittelständisch geprägte Maschinen- und Anlagenbau sowie die Zuliefererindustrie unterstützt werden. Dadurch werden Kompetenzen gebündelt, die Aus- und Weiterbildung im Bereich der neuen Technologien in der Branche professionalisiert und Synergieeffekte gehoben.
Es werden Netzwerke der Technologie- und Wirtschaftsakteure etabliert und weiter ausgebaut, in denen ein Überblick über die Aktivitäten einzelner Organisationen erarbeitet, der Austausch entlang der Wertschöpfungsketten sowie Innovationskooperationen gestärkt werden. Dies erhöht gleichzeitig die Sichtbarkeit und stärkt die Kompetenzentwicklung für den technologischen und gesellschaftlichen Wandel.
Der Wasserstoff-Beirat Baden-Württemberg
Der Wasserstoff-Beirat Baden-Württemberg steht der Landesregierung beratend und unterstützend zur Seite. Das Gremium begleitet die Umsetzung der Wasserstoff-Roadmap Baden-Württemberg und erarbeitet Empfehlungen, wie die Maßnahmen bedarfsorientiert und effektiv weiter umgesetzt werden können.
Der Beirat setzt sich aus hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft sowie Kommunen zusammen und repräsentiert verschiedene Sektoren und Anwendungsbereiche der Wasserstoffwirtschaft. Das Gremium berät regelmäßig zu aktuellen Entwicklungen der Wasserstoffbranche und nimmt Stellung zu Fragen, Herausforderungen und Chancen – insbesondere aus der Perspektive Baden-Württembergs. Durch Empfehlungen und Analysen unterstützt der Wasserstoff-Beirat die Landesregierung und formuliert Vorschläge, die zum Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft beitragen.
Die Plattform H2BW unterstützt den Beirat, greift dessen Empfehlungen zur Umsetzung der Wasserstoff-Roadmap Baden-Württemberg (PDF, 2020) auf und organisiert die Sitzungen des Fachgremiums.
Kontakt
Fragen und Anregungen rund um das Thema Wasserstoff können Sie per E-Mail an das Ministerium richten.
