Reaktiver Stickstoff – das sind vor allem Ammoniak (reduzierter Stickstoff), Stickoxide (oxidierter Stickstoff) und weitere auch organische Stickstoffverbindungen – bildet eine unersetzbare Grundlage für die Nahrungsmittelproduktion und für nachwachsende Rohstoffe. Entscheidend ist der sorgsame und bedarfsgerechte Einsatz. Gelangt reaktiver Stickstoff jedoch in zu großen Mengen in die Umwelt, so wird er zu einer der bedeutendsten Belastungen für den Erhalt unserer Ökosysteme und für die Gesundheit der Menschen.
Grenzwerte in Baden-Württemberg noch überschritten
Die Stickstoffbelastung hat in Baden-Württemberg in zehn Jahren um 25 bis 30 Prozent abgenommen – die Grenzwerte werden aber noch vielfach überschritten. Die durchschnittlichen Gesamteinträge an reaktivem Stickstoff in trockener, nasser oder feuchter Form (= Stickstoffgesamtdeposition) in Baden-Württemberg übersteigen mit aktuell 11,8 Kilogramm ha-1 a-1 (Stand 2024) die Dosis, die unsere empfindlichsten Ökosysteme vertragen.
Hohe Stickstoffemissionen beeinträchtigen auch erheblich unsere Lebensqualität und unsere Entwicklungsmöglichkeiten. So bilden Stickoxide zusammen mit Ammoniak auch Feinstaub. Die Ammoniak-Stickstoffemissionen (NH3) sind in den letzten zehn Jahren rund 25 Prozent gesunken aber die von der United Nations Economic Commission for Europe (UNECE) empfohlenen Grenzwerte für empfindliche Pflanzen (Critical Level 1 bis 3 Mikrogramm m-3) werden in Baden-Württemberg noch an zahlreichen Flächen überschritten. Der Mittelwert der Ammoniak-Konzentration liegt jetzt bei 1,7 Mikrogramm m-3. Belastungsschwerpunkte liegen in Regionen mit intensiver Tierhaltung.
Für den Schutz vielfältiger Lebensräume ist auch die Summe aus oxidierten und reduzierten Verbindungen wie Stickoxide und Ammoniak entscheidend (Stickstoffgesamtdeposition). Belastet sind exponierte, bewaldete Höhenlagen und Regionen mit intensiver Tierhaltung. Als Zielwert (Critical Load) für den Schutz der empfindlichsten Ökosysteme wie oligotrophe Stillgewässer oder Dünen und Hochmoore ist von der United Nations Economic Commission for Europe (UNECE) eine Stickstoffgesamtdeposition von rund fünf Kilogramm ha-1 a-1 angesetzt.
StickstoffBW
Mit dem Verbundvorhaben StickstoffBW will die Landesregierung die Stickstoffüberschüsse auf ein verträgliches Maß zurückführen. StickstoffBW soll fachliche Datengrundlagen und Bewertungsmaßstäbe liefern. Dazu gehören Karten der Hintergrundbelastung, kritische Eintragsfrachten (Critical Loads), das heißt standortspezifische Belastbarkeitsgrenzen für Einträge an reaktivem Stickstoff in kg ha-1 a-1 zum Schutz empfindlicher Lebensräume, kritische Ammoniakkonzentrationen in der Luft (Critical Levels) in µg m-3 zum Schutz empfindlicher Pflanzen und nicht zuletzt kritische Überschüsse aus der landwirtschaftlichen Produktion (Critical Surplus).
Durch die Zusammenführung von Daten werden verbesserte Grundlagen für die Planung von Maßnahmen und für den Vollzug im Immissionsschutz, in der Wasserwirtschaft, im Naturschutz, und bei der Land- und Forstwirtschaft, dem Bau und Betrieb von Verkehrswegen sowie in der Umweltplanung erwartet.
StickstoffBW läuft unter der Federführung des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft. In enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschafts- und Straßenverwaltung arbeiten wir an der Präzisierung der Stickstoff-Hintergrundbelastung und den Belastbarkeitsgrenzen.
Außerdem arbeiten folgende Institutionen mit:
- Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg
- Landwirtschaftliches Zentrum für Rinderhaltung, Grünlandwirtschaft, Milchwirtschaft, Wild und Fischerei Baden-Württemberg
- Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau,
- Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt Augustenberg
- Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) als Koordinierungsstelle
Bundesbehörden und Regierungspräsidien werden kooperativ eingebunden. Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften, nationale und internationale außeruniversitäre Institute und Ingenieurbüros erarbeiten in zahlreichen Projekten notwendige Fachgrundlagen.
