Nachhaltig handeln

Die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Baden-Württemberg

„heute für morgen” hat Ministerin Thekla Walker zum Gespräch über Nachhaltigkeit im Ländle getroffen. Das Interview führte Daniel M. Grafberger

Frau Ministerin, Nachhaltigkeit ist in aller Munde, auch das Land Baden-Württemberg hat eine Nachhaltigkeitsstrategie. Was ist das Ziel?

Die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit gewinnen immer mehr an Bedeutung. Aus diesem Grund haben wir bereits im Jahr 2007 die Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Mit ihr wollen wir Akteurinnen und Akteuren aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik eine Plattform geben, um wichtige Fragen nachhaltiger Entwicklung zu diskutieren und umzusetzen. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit Expertinnen und Experten, aber auch mit den Bürgerinnen und Bürgern, verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit im Land auf den Weg zu bringen. Wir wollen den Nachhaltigkeitsgedanken in unserem Regierungs- und Verwaltungshandeln fest verankern. Unser Ziel ist es außerdem, Menschen zu befähigen, einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung im eigenen Umfeld zu leisten.

Wie kann man dabei Erfolge messen?

Uns ist es wichtig, dass die Nachhaltigkeitsstrategie nicht nur eine Strategie auf dem Papier bleibt, sondern aktiv umgesetzt wird. Daher wurden konkrete Ziele definiert und überprüfbare Nachhaltigkeits-Indikatoren aus den Bereichen Ökonomie, Ökologie, Soziales und Partizipation eingesetzt. Über ein Ampelsystem werden der jeweilige Stand und die Entwicklung der Indikatoren veranschaulicht. Alle drei Jahre erstellen wir einen Bericht über den Stand und Fortschritt der nachhaltigen Entwicklung im Land. Seit 2022 erscheint der Bericht nun in einem interaktiven Onlineformat.

Einen herausragenden Erfolg haben wir mit unseren Nachhaltigkeitstagen erreicht, die ab diesem Jahr in die neuen KLIMA.LÄND.TAGE übergehen werden. Mit knapp 2.400 Aktionen im letzten Jahr kamen rund 70 Prozent aller deutschlandweiten und circa die Hälfte der europaweiten nachhaltigen Aktionen aus Baden-Württemberg.

Damit übernehmen wir seit vielen Jahren eine Vorreiterrolle in Sachen Durchführung und Sichtbarmachung von Nachhaltigkeit. Dies zeigt, dass die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz gut in der Bevölkerung angenommen und die Notwendigkeit zum Handeln erkannt wurde.

Ein Teil der Strategie ist auch die Junge Plattform. An wen genau richtet sich diese und wie funktioniert sie?

Die Junge Plattform der Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württemberg ist ein Angebot an junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren. Hier haben wir neben unterschiedlichen Angeboten und Tipps auch einen Jugendrat für Klima und Nachhaltigkeit eingerichtet, der aus 24 engagierten jungen Menschen besteht. Ich finde es toll, dass diese Jugendlichen ihr Engagement sichtbar machen und ihre Stimme in politischen Gremien einbringen möchten. Es ist wichtig, Jugendliche und junge Erwachsene anzuhören, ihre Perspektive miteinzubeziehen und sie zu beteiligen. Der Jugendrat entwickelt auch eigene Veranstaltungen, Projekte und Angebote – von jungen Menschen für junge Menschen zu allen Belangen der Nachhaltigkeit.

Im Rahmen der Jungen Plattform findet am 12. Juli 2024 ein großes Jobfestival in Stuttgart statt, bei dem junge Menschen auf vielfältige, interaktive und spannende Weise Einblicke in die Berufswelt im Klima- und Nachhaltigkeitsbereich bekommen.

Auch Unternehmen sollten ihren Teil zur Nachhaltigkeit beitragen. Wie werden sie dabei vom Land Baden-Württemberg unterstützt?

Es bestehen große Herausforderungen und Anforderungen an das nachhaltige Handeln, vor allem auch im unternehmerischen Kontext. Klimaschutz ist eines der wichtigsten Handlungsfelder einer nachhaltigen Entwicklung. Deswegen haben wir die Klimaschutzstrategie „Unternehmen machen Klimaschutz“ ins Leben gerufen. Durch diese Strategie sollen möglichst viele baden-württembergische Unternehmen systematisch und strukturiert unternehmerischen Klimaschutz umsetzen und signifikant Treibhausgase reduzieren. Allen Unternehmenszielgruppen werden spezifische Unterstützungs-, Kommunikations- und Vernetzungskonzepte angeboten, wie zum Beispiel ein neues Programm zur Beratungs- und Investitionsförderung.

Flagschiff der Klimaschutzstrategie ist das Klimabündnis Baden-Württemberg. Es ist im August 2020 gestartet und stellt eine Partnerschaft zwischen dem Land Baden-Württemberg und den teilnehmenden Unternehmen dar. In einer Klimaschutzvereinbarung werden konkrete Maßnahmen festgelegt, wie die entsprechenden unternehmerischen Klimaschutzziele erreicht werden sollen. Aktuell gehören 50 Unternehmen dem Klimabündnis Baden-Württemberg an, darunter mehrere bekannte Firmen wie Hugo Boss, Bosch, SAP oder Kärcher aber auch viele kleine und mittlere Unternehmen aus dem ganzen Land.

Zudem bietet die KLIMAWIN (ehemals WIN-Charta) engagierten Unternehmen, die einen strukturierten Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsprozess durchlaufen wollen, ein umfangreiches Rahmenwerk für die Berichterstattung über Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Ich freue mich, dass wir aktuell bereits rund 350 Unternehmen aus dem Land in unserem Netzwerk haben, die uns zeigen, dass Klimaschutz und Nachhaltigkeit kein Widerspruch zu wirtschaftlichem Erfolg sind, sondern ganz im Gegenteil!

Mit all diesen Angeboten möchten wir mit den Unternehmen gemeinsam eine nachhaltige, ökologische Transformation der Wirtschaft vorantreiben.  

Wie wird das gesamte Thema beim Land Baden-Württemberg in Zukunft weiterentwickeln?

Wir entwickeln die Nachhaltigkeitsstrategie ständig weiter und passen sie an die aktuellen Herausforderungen an.

Während in den vergangenen Jahren unser Schwerpunkt vor allem bei der strategischen Steuerung des Nachhaltigkeitsprozesses lag, fokussieren wir uns nun insbesondere auf die weitere thematische Ausrichtung und deren Umsetzung. Neben der Bewusstseinsbildung für Nachhaltigkeit im Land und der Stärkung der Bildung für Nachhaltige Entwicklung nehmen wir zunehmend den Klimaschutz in den Blick. So werden wir auch die bisherigen Nachhaltigkeitstage zukünftig als KLIMA.LÄND.TAGE ausrichten und damit den Themen Klimaschutz und Klimawandelanpassung noch mehr Schubkraft geben.

Quelle: Nachhaltigkeitsmagazin „heute für morgen” (Ausgabe 2024). Das Interview führte Daniel M. Grafberger.

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