N!-Charta Sport

Nachhaltigkeit ist Teamarbeit

Im Interview für das Magazin Württemberg Tennis spricht Staatssekretär Andre Baumann über die Bedeutung der N!-Charta Sport, die Rolle der Vereine und warum nachhaltiges Handeln den Sport langfristig stärkt.

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Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft.

Nachhaltigkeit wird häufig vor allem mit Umwelt- und Klimaschutz verbunden. Die N!-Charta Sport betrachtet das Thema breiter. Welche Bereiche umfasst Nachhaltigkeit im Sport?

Für uns ist Nachhaltigkeit im Sport ein umfassender Ansatz, der alle Bereiche des Vereinslebens einbezieht. Natürlich geht es dabei um Umwelt- und Klimaschutz, aber ebenso um soziale Verantwortung und um eine gute, zukunftsfähige Entwicklung der Vereine. Konkret umfasst Nachhaltigkeit im ökologischen Bereich etwa energieeffiziente Sportstätten, höhere Langlebigkeit von Bällen, nachhaltige Mobilität zu Wettkämpfen oder einen bewussten Einkauf. Gleichzeitig sind soziale Themen zentral: Fair Play, Inklusion, gesellschaftlicher Zusammenhalt sowie der Schutz und die Förderung von Mitgliedern und Ehrenamtlichen. Dazu kommen wirtschaftliche Stabilität und transparente Strukturen. Gerade diese Kombination macht für mich nachhaltigen Sport aus und zeigt, wie stark Vereine als Vorbilder in die Gesellschaft wirken können.

Die N!-Charta Sport begleitet seit einigen Jahren Sportvereine in Baden-Württemberg. Welche Entwicklungen beobachten Sie seitdem im organisierten Sport?

Da ist vor allem das stetig wachsende Netzwerk zu nennen. Über die Jahre sind viele neue Akteure und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren hinzugekommen, darunter starke Fachverbände, Sportkreise und auch der WLSB. Dadurch hat das Thema Nachhaltigkeit im Sport an Breite und Sichtbarkeit gewonnen. Gleichzeitig zeigt sich ein großer Fortschritt in der praktischen Umsetzung: Eine Vielzahl von Vereinen bringt eigene Maßnahmen auf den Weg, was sich in der stetig wachsenden Maßnahmendatenbank mit mittlerweile über 1.500 Maßnahmen zeigt.

Warum ist es wichtig, dass sich Sportvereine und -verbände mit Themen wie Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung beschäftigen?

Sportvereine und -verbände sind zentrale Orte des gesellschaftlichen Lebens. Sie prägen Werte wie Fairness, Respekt und Teamgeist und erreichen Menschen aller Altersgruppen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund. Gerade in Baden-Württemberg ist der organisierte Sport mit über einem Drittel der Bevölkerung besonders stark verankert. Damit haben die Vereine und Verbände eine Vorbildfunktion. Über sie erreichen wir die ganze Bandbreite der Baden-Württemberger und Baden-Württembergerinnen. In Vereinen erleben die Mitglieder, dass Inklusion, Natur- und Klimaschutz in diesem Umfeld funktioniert, dass sie selbst dazu einen Beitrag leisten können. Das strahlt in die ganze Gesellschaft aus: Veränderung ist möglich, jeder und jede kann etwas tun. Gleichzeitig geht es auch um die Zukunftsfähigkeit des Sports: Wer sich mit Themen wie Mitgliederbindung, Angeboten für Menschen mit Behinderung, Gesundheitsförderung, Klimawandel und nachhaltigem Ressourceneinsatz beschäftigt, stärkt langfristig seine Strukturen.

Der WTB ist seit 2023 Mitglied der N!-Charta Sport und hat inzwischen bereits den vierten Tennis-Konvoi abgeschlossen. Welche Rolle spielen solche langfristigen Entwicklungen für die Weiterentwicklung des Sports?

Initiativen wie die N!-Charta Sport brauchen verlässliche und engagierte Partner. Der WTB ist ein solcher Partner. Gerade das Format des Tennis-Konvois entwickelt das Netzwerk kontinuierlich weiter und hält es lebendig. Wir freuen uns deshalb jedes Jahr auf den Start der nächsten Runde! Der WTB hat maßgeblich dazu beigetragen, den Tennissport zu einem wichtigen und sichtbaren Teil der N!-Charta Sport zu machen. Bei den Tennisvereinen entstehen zahlreiche konkrete Maßnahmen, die auf die Herausforderungen im Tennissport einzahlen. Davon profitieren auch neue Vereine: Wer heute zur N!-Charta Sport kommt, findet bereits viele praxiserprobte Ansätze, Austauschmöglichkeiten und Inspiration. Das erleichtert den Einstieg.

Nachhaltigkeit lebt von Sichtbarkeit. Der WTB hat die N!-Charta Sport bei diversen Events aktiv platziert. Wie wichtig sind solche öffentlichen Bühnen, um neue Zielgruppen zu erreichen und andere Vereine zu inspirieren?

Sehr! Die öffentlichen Bühnen machen greifbar, was Nachhaltigkeit konkret bedeutet. Veranstaltungen wie das Kessel Festival erreichen Menschen weit über die Vereinsstrukturen hinaus und bieten die Chance, direkt vor Ort mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Gerade dieser persönliche Kontakt hilft, Interesse zu wecken und das Thema Sport und Nachhaltigkeit zu vermitteln. Gleichzeitig entsteht auch eine starke Vorbildwirkung: Wenn ein Verband wie der WTB Nachhaltigkeit aktiv zeigt und kommuniziert, motiviert das andere Vereine, sich ebenfalls auf den Weg zu machen.

Die Tennisvereine bilden in Baden-Württemberg den größten Anteil der an der Initiative teilnehmenden Sportvereine. Ein besonderes Zeichen der Zusammenarbeit über Verbandsgrenzen hinweg ist der erste verbandsübergreifende Konvoi gewesen. Welche Rahmenbedingungen machen Tennisvereine besonders geeignet, Nachhaltigkeit im Vereinsalltag zu verankern?

Ich freue mich sehr über den verbandsübergreifenden Konvoi! Das gemeinsame Engagement von WTB und BTV ist ein schönes Zeichen für gelungene Kooperation im Sport. Die genannten Rahmenbedingungen haben die Verbände aktiv mitgestaltet durch die Vorreiterrolle bei der Unterzeichnung der N!-Charta Sport, dem aktiven Leben der Leitsätze und der gezielten Ansprache der Vereine. Das bestätigt die wichtige Rolle der Fachverbände. Zudem bringen viele Tennisvereine gute strukturelle Voraussetzungen mit, etwa eine schlanke Organisation als Einspartenverein und auch die Möglichkeit auf eigenen Sportstätten in nachhaltige Maßnahmen zu investieren.

Wenn ein Verein heute mit der N!-Charta Sport startet – womit beginnt er konkret und welche ersten Erfahrungen machen Vereine typischerweise?

Ein guter Einstieg ist die Teilnahme an einem unserer kostenlosen, virtuellen Interessierten-Workshops. Die Anmeldung ist auf unserer Webseite möglich. Dort wird der gesamte Prozess der N!-Charta Sport vorgestellt und Vereine bekommen eine klare Orientierung für die nächsten Schritte. Inhaltlich sollten die Vereine dann mit einer Bestandsaufnahme entlang der Leitsätze starten: Was machen wir bereits? Wo haben wir noch Lücken oder sehen den größten Handlungsbedarf? Daraus waren anschließend konkrete Maßnahmen abgeleitet. Eine typische Erfahrung dabei ist, dass viele Vereine feststellen, dass sie schon deutlich mehr in Richtung Nachhaltigkeit tun, als ihnen bewusst war. Es wird nur bisher nicht so benannt. Genau hier setzt die N!-Charta Sport an, weil wir Bestehendes sichtbar machen und darauf aufbauen. Für die nächsten Schritte hilft es sehr, sich inspirieren zu lassen, vor allem durch die Maßnahmendatenbank, Best-Practice-Beispiele oder veröffentlichte Zielkonzepte. Und ganz wichtig: Vereine können sich jederzeit an das Team der N!-Charta Sport wenden, wir begleiten und beraten gerne in jeder Phase des Prozesses.

Viele Vereine arbeiten mit begrenzten Ressourcen und viel Ehrenamt. Wie gelingt es, Nachhaltigkeit so zu gestalten, dass sie praktikabel und alltagstauglich bleibt?

Wir raten immer zu Pragmatismus. Jeder kleine Schritt, jede Tat zählt! Vereine sollten Maßnahmen entwickeln, die zu ihrer Größe und ihren Möglichkeiten passen. Lieber weniger Projekte angehen und diese dann erfolgreich umsetzen, statt sich zu überfordern. Wichtig ist dabei auch die Perspektive, dass Nachhaltigkeit nicht unbedingt bedeutet, zusätzliche Aufgaben zu schaffen. Vielmehr geht es darum, bestehende Themen wie Mitgliederentwicklung, Organisation oder den Umgang mit Ressourcen bewusst und strukturiert anzugehen. Jeder Verein muss ohnehin ein Vereinsheim bewirtschaften, sich um die Bewässerung der Plätze kümmern und Verpflegung für Verbandsspiele beschaffen. Über die Charta erhalten sie Unterstützung, wie sie dabei mehr als bisher Ressourcen – und Geld – sparen. Im Kern unterstützt das Konzept der Nachhaltigkeit Vereine dabei, sich insgesamt zukunftsfähig aufzustellen und ihre ohnehin bestehenden Herausforderungen systematisch zu bearbeiten. So wird Nachhaltigkeit zu einem hilfreichen Rahmen für die tägliche Vereinsarbeit.

Was wünschen Sie sich für die Weiterentwicklung der N!-Charta Sport in den kommenden Jahren?

Ich wünsche mir vor allem, dass das Netzwerk weiter in die Tiefe wächst, hin zu noch mehr Austausch und einem intensiveren Voneinander-Lernen zwischen den Vereinen und Verbänden. Genau darin liegt ein großer Mehrwert der Initiative. Gleichzeitig wäre es natürlich schön, auch weiter in die Breite zu wachsen und noch mehr Unterzeichner zu gewinnen. Besonders wichtig ist mir zudem, das Engagement derjenigen sichtbar zu machen und zu würdigen, die sich schon seit vielen Jahren einbringen und kontinuierlich Maßnahmen umsetzen. Diese Anerkennung zeigt, wieviel bereits geleistet wird und motiviert andere, ebenfalls aktiv zu werden. Insgesamt sind wir hier aber schon auf einem guten Weg.

Wenn Sie den Vereinen in Baden-Württemberg eine Botschaft mit auf den Weg geben könnten: Warum lohnt es sich, diesen Weg einzuschlagen?

Es gibt viele Herausforderungen, aber gemeinsam wird es leichter. Mit der N!-Charta Sport haben wir ein starkes Netzwerk, in dem die Unterzeichner voneinander profitieren. Werden Sie Teil davon und nutzen Sie unser kostenloses Angebot. Sie werden sehen: Der Einstieg ist nicht schwer und wir unterstützen Sie dabei. Ich bin mir sicher, es wird sich für Sie lohnen!

Quelle: Württembergischer Tennis-Bund e. V., Magazin Württemberg Tennis 8/26