Mikroplastik

Untersuchungen der Forschungsgruppe Laforsch

Fallstudie Gardasee (Oktober 2013)

Gemeinsam mit der Gruppe von Professor Dr. Reinhard Niessner von der TU München veröffentlicht die Forschungsgruppe Laforsch in der Zeitschrift „Current Biology“ ihre Fallstudie zur Verunreinigung eines regionalen Süßwasser-Ökosystems. Als Fallbeispiel wählten sie den Gardasee aus.

Da sich dieser direkt unterhalb der Alpen erstreckt, erwarteten die Mitglieder der Forschungsgruppe eine vergleichsweise geringe Wasserverschmutzung durch Plastikmüll und vor allem durch Mikroplastik. Umso mehr waren sie überrascht, als sie bei ihren Analysen feststellen: Kunststoffpartikel mit einer Größe von weniger als 5 Millimetern sind im Uferbereich des Sees teilweise dicht verstreut wie an Meeresstränden.

Der Nordstrand des Gardasees war erheblich dichter mit Plastikmüll verunreinigt als die südlichen Uferbereiche. Die wesentliche Ursache sehen die Forscher in einer häufig auftretenden Windströmung aus südwestlicher Richtung, die von der einheimischen Bevölkerung als „Ora“ bezeichnet wird. Dieser Befund deckt sich mit Forschungsergebnissen, die ein kanadisches Forschungsteam am Huron-See – Great Lakes – zwei Jahre zuvor veröffentlicht hat. Auch dort konzentrierten sich 94 Prozent der gefundenen Kunststoffpartikel auf eine einzige Uferregion.

Ein großer Teil des Plastikmülls stammt von Konsumgütern und ihren Verpackungen. Die Plastikteile geraten entweder direkt oder auf einem Umweg über Mülldeponien in den See und in ufernahe Gebiete. Die Forscher vermuten, dass Süßwasser- Ökosysteme mit einer größeren Nähe zu städtischen Zentren und Industrien viel stärker betroffen sind. Die Wissenschaftler warnen in ihrer Veröffentlichung vor den bisher wenig beachteten gesundheitlichen Gefahren und fordern weiter gehende Untersuchungen, nicht zuletzt im Bereich von Fließgewässern und Süßwasserseen.

Mikroplastikuntersuchungen in Bayern

Die Gruppe Laforsch untersucht seit 2014 gemeinsam mit der Landesanstalt für Umwelt (LfU) im Auftrag des Bayerischen Umweltministeriums mögliche Auswirkungen von Mikroplastik auf die bayerischen Flüsse und Seen. Das Forschungsvorhaben verfolgt drei Schwerpunkte:

  • Zunächst ist es notwendig, ein bereits bestehendes Nachweisverfahren so weiterzuentwickeln, dass sich die Partikel schnell und sicher identifizieren und auswerten lassen.
  • In einem zweiten Schritt werden an repräsentativen Standorten quantitative und qualitative Analysen von Mikroplastik durchgeführt. Standorte sind zum Beispiel Kläranlagenausläufe, Klärschlamm, Seen, Fließgewässer und Sedimente.
  • Der dritte Teil des Vorhabens beschäftigt sich mit dem Verbleib der Mikroplastikteilchen in den Gewässern. Im Meer wird der Kunststoffmüll von den Tieren aufgenommen. Die Forscher klären, ob dieses Problem auch bei heimischen Wasserorganismen auftritt und wie es sich gegebenenfalls auf die Ökosysteme auswirkt.

Belastung aquatischer Ökosysteme mit Kunststoffmüll: Globales und lokales Monitoring mittels satellitengestützter Methoden

Seit Sommer 2013 untersucht die Forschungsgruppe um Professor Dr. Christian Laforsch gemeinsam mit der Remote Sensing Solutions GmbH (RSS) den Eintrag und die Ausbreitung von Kunststoffmüll in aquatischen Ökosystemen. Dabei nutzen sie sowohl Satellitenerdbeobachtung als auch vor Ort Messungen. Folgende Aspekte stehen im Mittelpunkt dieser Untersuchungen:

  • Quantifizierung des Eintrags von Plastikmüll in ausgesuchten Fließgewässern
  • Monitoring des Verbreitungsmusters von Plastikmüll im Flussdelta ausgesuchter Flüsse und den angrenzenden Küstenregionen
  • Large-scale Monitoring der Entwicklung der großen Müllansammlungen in den ozeanischen Becken

Das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) geförderte Projekt läuft über drei Jahre im Rahmen der „Vorbereitung der wissenschaftlichen und kommerziellen Nutzung der Sentinel-Missionen und nationalen Missionen“. 

(Quelle: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft; Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg)