BIBERMANAGEMENT

Modellprojekt nach bayerischen Vorbild gestartet

Deutsche-Bahn-Strecke Warthausen und Schemmerberg: Biberschutzmatten sollen den Bahndamm vor den Aktivitäten der zwei Biberfamilien schützen, die dort leben.
Seit über zehn Jahren wird ein Bahnseitengraben der Deutschen Bahn-Strecke zwischen Warthausen und Schemmerberg von zwei Biberfamilien als Lebensraum genutzt. Röhren und Baue der Biber sorgten für eine Untergrabung des Bahndammes, wodurch sich die Gleise absenkten und die Verkehrssicherheit gefährdet war. Biberschutzmatten sollen nun helfen. Zudem wurden auch Röhren und Baue verfüllt.

Seit 1. Januar 2022 läuft ein Modellprojekt nach dem Vorbild des bayrischen Biber-Managements.  Es prüft, inwieweit das bisherige baden-württembergische Bibermanagement um die „letale Entnahme“, also die Tötung des Tieres, als letztes Mittel erweitert werden kann.

Dies wird nur in Ausnahmefällen möglich sein, wenn Konflikte mit den aktuelle Methoden des Bibermanagements nicht zumutbar gelöst werden können. Da der Biber eine besonders streng geschützte Art ist (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie Anhänge II und IV der Europäischen Union und Paragraf 7 Absatz 2 Nr. 14 Bundesnaturschutzgesetz) erfordert dies eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung (Paragraf 45 Absatz 7 Bundesnaturschutzgesetz). Die rechtlichen Rahmenbedingungen einer letalen Entnahme und die Schaffung der behördlichen Strukturen sind grundlegende Bestandteile des Bibermodellprojektes nach bayerischem Vorbild.

Ein weiteres Ziel ist es, die Jägerschaft verstärkt in das landesweite Bibermanagement einzubinden und bei Bedarf als zusätzliche Biberberaterinnen und -berater in einzelnen Landkreisen zu gewinnen. Zudem wird die gezielte Ausbildung einzelner interessierter Jägerinnen und Jäger zur Unterstützung einer letalen Entnahme auf den Weg gebracht.

Die gewonnenen Erfahrungen aus dem Modellprojekt sollen im Biberleitfaden, der gerade fortgeschrieben wird, aufgenommen werden. Inhalte sollen ebenso die praktische Vorgehensweise bei einer möglichen letalen Entnahme und praktikable Strukturen in der Verwaltung sein.

Warum orientiert sich das Modellprojekt an Bayern?

Bisher wurden Biber in Baden-Württemberg, im Gegensatz zu Bayern, noch nie letal entnommen. Alle Konflikte konnten anderweitig gelöst werden. Es ist jedoch durch die wachsende Population im Land davon auszugehen, dass es künftig auch zu einigen besonders schweren oder komplexen Konflikten mit dem Biber kommen kann.

In Bayern wirkt die Jägerschaft auf freiwilliger Basis im Bibermanagement mit, auch bei der letalen Entnahme von Bibern. Daher sind im Projekt die Möglichkeiten und Grenzen der Beteiligung der Jägerschaft im Modellprojekt auszuloten

Welche Gebiete nehmen teil?

Die baden-württembergische Biberpopulation wird auf etwa 7.500 Tiere geschätzt. Mit etwa 4.350 Tieren kommen im Regierungsbezirk Tübingen am meisten, im Regierungsbezirk Karlsruhe mit etwa 400 Tieren am wenigsten Biber vor. Die meisten Biber leben landesweit im Landkreis Biberach (circa 1.150 Tiere), gefolgt vom Landkreis Ravensburg (circa 1.050 Tiere) und dem Landkreis Sigmaringen (circa 800 Tiere).

Auf Grund der hohen Biberpopulation im Regierungsbezirk Tübingen und einem damit verbundenen erhöhten Konfliktpotenzial erstreckt sich das  Projektgebiet über die Landkreise Sigmaringen, Ravensburg, Biberach, den Stadtkreis Ulm sowie den Alb-Donau-Kreis.

Welche Gemeinden letztlich beteiligt werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt. Aktuell werden bekannte, potenziell geeignete Biberkonfliktfälle identifiziert und auf eine mögliche Bearbeitung im Bibermodellprojekt geprüft. Weitere Biberkonfliktfälle können an die Unteren Naturschutzbehörden gemeldet werden.