Überblick für Baden-Württemberg

Besondere Vorkommnisse im Jahr 2018

In Baden-Württemberg gab es im Jahr 2018 insgesamt 29 besondere Vorkommnisse nach §§ 51 und 71 Strahlenschutzverordnung. In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich dabei um Funde radioaktiver Stoffe. Im Folgenden werden einige dieser Funde und weitere Vorkommnisse beschrieben.

Funde radioaktiver Stoffe: Radioaktive Stoffe in der Recycling-Industrie

In der Recycling-Industrie traten erneut die meisten Funde radioaktiver Stoffe auf. Dabei handelt es sich vorwiegend um Teile, in denen natürliche Radionuklide aus der Uran-238- oder Thorium-232-Zerfallsreihe angereichert sind. Außerdem wurde früher Radium-226 in Leuchtfarben verwendet. Deshalb findet man auch heute noch Metallteile, an denen Reste dieser Leuchtfarbe vorhanden sind.

Radionuklide aus medizinischen Anwendungen

Auch in den Müllverbrennungsanlagen im Land wurden radioaktive Stoffe detektiert. Kurzlebige Radionuklide, u. a. Iod-131, werden in der Medizin zur Erkennung oder Behandlung von Krankheiten genutzt. Da Patienten zum Teil kurz nach der Behandlung wieder aus der Klinik entlassen werden, tragen sie noch radioaktives Iod in sich. Dadurch können zum Beispiel Hygieneartikel mit Iod-131 kontaminiert werden. Diese sollen vor der Entsorgung mehrere Tage aufbewahrt werden, damit die Nuklide zerfallen. Falls dies nicht geschieht, gelangt radioaktives Iod in den Hausmüll. Abfälle, die damit kontaminiert sind, müssen vor der Verbrennung separiert und gelagert werden.

Fund radioaktiver Stoffe in Privathaushalten

Auch in privaten Haushalten treten Funde auf, zum Beispiel bei Haushaltsauflösungen. So findet man immer wieder sogenannte Radiumbecher. Hierbei handelt es sich um Trinkgefäße, die eine Radiumquelle enthalten. Dadurch wird Radium-226 oder Radon-222 im Trinkwasser angereichert. In den 1920er Jahren wurde diesem Wasser eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Die in den Trinkbechern enthaltenen Radium-Strahler werden von den Behörden eingezogen und als radioaktiver Abfall entsorgt. Im Jahr 2018 wurden zwei Radiumbecher sichergestellt.

Fund radioaktiver Stoffe im geschäftlichen Umfeld

In einem Gymnasium wurde ein Gefäß mit pulverförmigem Uran-238 („Yellow Cake“) gefunden. Dieses wurde sichergestellt und wird bei der Behörde in einer Ausstellungsvitrine sicher verwahrt.

Sonstige Vorkommnisse im Strahlenschutz: Kontrollrechner-Absturz

In einer Klinik kam es bei einem Gerät zur Tumorbestrahlung im Körperinneren während einer Behandlung zu einem Computerabsturz. Die Quelle fuhr aus dem Patienten heraus vorschriftsgemäß in eine sichere Position, die genaue Bestrahlungszeit ist bekannt. Der Patient erhielt die korrekte Dosis, es kam nicht zu einer Fehlbestrahlung. Der Kontrollrechner wurde ausgetauscht.

Wasserschaden

In einer Klinik kam es aufgrund einer undichten Rohrleitung zu einer Kontamination mit radioaktiv belastetem Abwasser. Das betroffene Patentenzimmer wurde gesperrt, die Wand aufgestemmt und die Rohrleitung repariert. Personen waren nicht betroffen.

Software-Problem

In einem gewerblichen Betrieb fuhr eine radioaktive Quelle aufgrund von Steuerungs-Problemen spontan aus ihrer sicheren Position aus und wieder ein. Das defekte Relais wurde getauscht, Personen kamen nicht zu Schaden.