EU-Stresstest

Sicherheitsstatus des Kernkraftwerks Beznau: Aktualisierung der Analyse der Ergebnisse des EU-Stresstests

Das Umweltministerium legt ein zweites Gutachten des Öko-Instituts zum Sicherheitsstandard des Atomkraftwerks Beznau vor. Damit wird das Gutachten zu Beznau ergänzt, das schon 2012 nach den Ereignissen in Fukushima erstellt wurde. Das Öko-Institut kommt in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass die beiden Reaktorblöcke des Kraftwerks trotz Nachrüstungen weiterhin wesentliche sicherheitstechnische Schwachstellen aufweisen, wie sie schon 2012 beschrieben wurden.

In den beiden Blöcken Beznaus wurden Verbesserungen durchgeführt und weitere sind in Arbeit beziehungsweise geplant. An der Gesamtbeurteilung des Umweltministeriums, dass es sich um eine sicherheitstechnisch fragwürdige Anlage handelt, ändert sich dadurch aber nichts. Die grundlegenden Schwächen, die sich aus der Grundauslegung der Anlage aus den 1960er Jahren ergeben, werden mit den einzelnen Nachrüstungen nicht behoben. Die Ergebnisse des Gutachtens bestärken die Forderung der Landesregierung, dass die Anlage Beznau zum frühestmöglichen Zeitpunkt abgeschaltet werden sollte.

Das Gutachten untersucht die Bereiche Erdbeben, Überflutung, Brennelement-Lagerbecken, elektrische Energieversorgung, Kühlwasserversorgung, extreme Wetterbedingungen, Reaktordruckbehälter und weitere sicherheitsrelevante Bereiche.

Es zeigt auf, dass insbesondere mit der Nachrüstung der so genannten Autonomen Notstromversorgung eine Verbesserung erreicht wurde. In vielen Bereichen bestehen aber Schwächen bei den Sicherheitssystemen, so dass bei entsprechenden Ereignissen der Einsatz von Einrichtungen und Maßnahmen des anlageninternen Notfallschutzes erforderlich werden.

Zudem wird laut Gutachten das international übliche Einzelfehlerkriterium nicht voll umfänglich berücksichtigt. Dieses Kriterium legt fest, dass ein auftretendes Ereignis, beispielsweise ein Erdbeben, auch dann noch von den Sicherheitssystemen der Anlage beherrscht werden muss, wenn eines der Systeme durch einen zusätzlichen Fehler ausfällt.

Beide Reaktordruckbehälter in Beznau weisen dem Gutachten zufolge auch eine im internationalen Vergleich sehr hohe Versprödung auf. Sie sei vermutlich vorwiegend auf eine ungünstige Materialzusammensetzung beziehungsweise auf Probleme beim Guss oder bei der Wärmebehandlung während der Herstellung zurückzuführen. Insbesondere einen Schmiedering des Reaktordruckbehälters von Block 1 bewertet das Öko-Institut als problematisch. Die dort bei einer Ultraschallprüfung 2015 entdeckten Befunde haben dazu geführt, dass der Block 1 seither abgeschaltet ist.