Kernkraftwerk Philippsburg, Block 2

Ergänzende Informationen zum Meldepflichtigen Ereignis Kühlwasserleckage an einem Notstromdieselmotor im Kernkraftwerk Philippsburg (Block 2)

Erkenntnisdatum

19.05.2016

Sachverhalt

Das Kernkraftwerk Philippsburg, Block 2 befand sich zum Ereigniszeitpunkt in Revision. Zum Abschluss von Arbeiten an einer Redundanz des Sicherheitssystems erfolgte eine Prüfung des zugehörigen Notstromdieselaggregats. Während dieser Prüfung ist eine Schraube gebrochen, die der Befestigung eines Flanschs der Kühlwasserleitung an einem Zylinderkopf dient. Dadurch trat Kühlflüssigkeit aus und der Motor musste abgeschaltet werden. Aufgrund der starken Dampfentwicklung hat die Brandmeldeanlage angesprochen.

In Folge des Ereignisses hat der Betreiber die jeweils 60 Flanschschrauben aller vier Notstromdieselmotoren des Notstromnetzes überprüft. Bei der Überprüfung der Schrauben an dem Notstromdiesel, an dem der Schraubenbruch aufgetreten ist, wurde festgestellt, dass sich 33 der verbliebenen 59 Schrauben geringfügig nachziehen ließen. Dies hatte der Betreiber zunächst als befundfrei bewertet, da es als normales Setzungsverhalten der Flanschdichtung interpretiert wurde (Stand der Erstmeldung vom 22.04.2016).

Nachdem der Betreiber das Anzugmoment der Flanschschrauben an den drei weiteren Notstromdieseln des D1-Netzes überprüft und festgestellt hat, dass an zwei Aggregaten alle Schrauben das vorgeschrieben Anzugmoment aufwiesen und an einem Aggregat bei 17 von 60 Schrauben ein geringeres Anzugmoment vorlag, hat er den Sachverhalt mit dem folgenden Ergebnis neu bewertet: Bei dem betroffenen Notstromdieselaggregat und bei einem weiteren der vier Notstromdieselaggregate des Notstromnetzes waren 33 bzw. 17 der jeweils 60 Befestigungsschrauben nicht mit dem vorgeschriebenen Anzugmoment angezogen.

Einstufung durch den Kraftwerksbetreiber

Meldekategorie N (Normalmeldung)
INES 0 (keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung)

Maßnahmen des Kraftwerksbetreibers

Der Betreiber hat die defekte Schraube ausgetauscht und die übrigen Befestigungsschrauben von Kühlwasseraustrittsflanschen an allen vier Notstromdieseln auf ihren spezifikationsgerechten Zustand (Anzugmoment, Schraubenqualität und Schraubeneigenschaften) überprüft und ersetzt. Die ausgetauschten Schrauben wurden einer Oberflächenrissprüfung unterzogen. Bei der Oberflächenrissprüfung wurden keine weiteren Befunde festgestellt. Die Ursachenklärung dauert noch an.

Sicherheitstechnische Bewertung des Umweltministeriums Baden-Württemberg

Die Notstromversorgung im Kernkraftwerk Philippsburg ist vierfach redundant aufgebaut. Da die betroffene Redundanz für Revisionsarbeiten freigeschaltet war, hat der Ausfall des Notstromdiesels nicht zu einer ungeplanten Nichtverfügbarkeit im Sicherheitssystem geführt und hatte damit keinen Einfluss auf das Sicherheitsniveau der Anlage. Eine übergeordnete Bedeutung des Ereignisses ergibt sich daraus, dass an zwei von vier Notstromdieselaggregaten Bauteile (in diesem Fall Kühlwasseranschlüsse) nicht wie spezifiziert montiert waren. Die Montage der Kühlwasseranschlüsse wurde im Rahmen einer Wartung bei dem Hersteller der Motoren durchgeführt.

Es ergaben sich keine Auswirkungen auf Personen und die Umwelt.