Ressourceneffizienz

Zukunftsthema Ressourceneffizienz - Empfehlungen für eine Landesstrategie

Auf der Basis einer Studie über wichtige Rohstoffe für die baden-württembergische Industrie haben Wissenschaftler konkrete Projekte als Empfehlung für die künftige Politik der Landesregierung im Rahmen der Landestrategie Ressourceneffizienz definiert.

Prof. Dr. Martin Faulstich, TU Clausthal und Vorsitzender des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung, hat die Studie mit den Empfehlungen für die Landesregierung heute (25.09.) im Rahmen des Ressourcen- und Kreislaufwirtschaftskongresses in Karlsruhe an Umweltminister Franz Untersteller übergeben.

Faulstich betonte dabei vor allem die Notwendigkeit, neue Ideen und Konzepte für mehr Ressourceneffizienz zu entwickeln: “Deshalb möchten wir mit maßgeblichen Industrieverbänden und der Landesregierung einen Think Tank für Industrie- und Ressourcenpolitik aufbauen. Mit dieser Ideenfabrik kann die Spitzenstellung Baden-Württembergs bei der Ressourceneffizienz weiter ausgebaut werden.“ 

Insgesamt fünf herausragende Projekte müsse die Landesregierung anstoßen, um auf dem Weg zu mehr Ressourceneffizienz weiter voranzukommen, sagte Faulstich.

Im Einzelnen seien das:

1.  Die Gründung eines Think Tanks Industrie- und Ressourcenpolitik Baden-Württemberg

2.  Die Einrichtung eines Forschungs- und Entwicklungsverbundes Ressourceneffizienz

3.  Die Etablierung einer Demontagefabrik im urbanen Raum

4.  Der Bau einer zentralen Phosphor-Recyclinganlage

5.  Die Entwicklung der effizientesten Rohstoff-Mine der Welt

Umweltminister Franz Untersteller: „Es geht darum, Wege zu finden, unseren Ressourcenverbrauch vom Wirtschaftswachstum zu entkoppeln und Baden-Württemberg zu einem Leitmarkt und Leitanbieter von Ressourceneffizienztechnologien zu machen.“

Umweltminister Franz Untersteller bezeichnete die Ideen als differenziert und spannend. Damit würden wesentliche Aspekte einer modernen Ressourcenpolitik abgedeckt: „Förderung und Wiedergewinnung von Rohstoffen auf der einen Seite, sowie Innovation und technologische Entwicklung auf der anderen Seite sind Bereiche, in denen wir arbeiten müssen, um unsere Abhängigkeit von Rohstoffimporten zu verringern sowie Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. Der Weg dahin – ohne unsere leistungsfähige Wirtschaft zu gefährden – ist sehr ambitioniert. Die fünf Projekte ergänzen hervorragend die von uns bereits begonnen Aktivitäten.“

Nach Möglichkeit, so der Umweltminister, würden die Projekte Teil der umfassenden Landesstrategie Ressourceneffizienz: „Ich würde das begrüßen, vorausgesetzt, wir finden die nötigen Partner für die Realisierung dieser Vorschläge.“

Ressourceneffizienz, so der Minister weiter, sei keine Herausforderung allein für die Landesregierung. Sie liege im Interesse von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik und müsse deshalb auch von allen Partnern gleichermaßen bearbeitet und vorangetrieben werden. „Mit der Landesstrategie Ressourceneffizienz wollen wir Ziele und Schwerpunkte setzen und die Aktivitäten aller Akteure zusammenführen. Deshalb haben wir letztes Jahr die „Akteursplattform Ressourceneffizienz“ gegründet, bei der etwa 120 Akteure aus unterschiedlichsten Bereichen ihre Vorstellungen in die Landesstrategie einbringen können.“

Die heute präsentierte Studie hatte das Umweltministerium beim Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Auftrag gegeben. Beteiligt waren Prof. Dr. Martin Faulstich von der Technischen Universität Clausthal, Dr. Matthias Franke vom Fraunhofer-Institut und Prof. Dr. Martin Kranert von der Universität Stuttgart.

Ergänzende Informationen

Der Think Tank Industriepolitik und Ressourceneffizienz Baden-Württemberg ist gedacht als ein von mehreren Partnern getragenes Projekt, das anteilig finanziert wird. Der Think Tank soll dazu beitragen gesellschaftspolitische und volkswirtschaftliche Interessen sowie industrie- und ressourcenpolitische Ziele zusammenzuführen. Er soll in Form einer außeruniversitären Forschungseinrichtung Industrie und Politik strategisch beraten.

Der Forschungs- und Entwicklungsverbund Ressourceneffizienz soll die branchenübergreifende und interdisziplinäre Zusammenarbeit fördern. Der Studie zufolge eignet sich Baden-Württemberg besonders für einen solchen Verbund, aufgrund seiner Wirtschaftsstruktur mit zahlreichen global agierenden Unternehmen und einem starken Mittelstand sowie einer breiten Forschungslandschaft.

Bau einer Demontagefabrik im urbanen Raum – Etwa 70 Prozent der Bevölkerung leben in urbanen Räumen. Dies führt dazu, dass gerade hier auch ein Großteil des werthaltigen High-Tech-Abfalls anfällt, insbesondere auch Hochtechnologiemetalle aus Elektro- und Elektronikaltgeräten. In einer Demontagefabrik könnten neue und bessere Erfassungs- und Aufbereitungsprozesse entwickelt und erprobt werden.

Bau einer zentralen Phosphor-Recyclinganlage – Phosphor ist ein essenzieller Rohstoff, der nicht zu ersetzen ist. Eine Phosphor-Recyclinganlage könnte das Land Baden-Württemberg von Importen unabhängiger machen und die Versorgung mit dem lebenswichtigen Rohstoff langfristig sichern helfen.

Auf diesem Gebiet ist Baden-Württemberg bundesweit bereits in einer Vorreiterrolle. Eine Pilotanlage steht zum Beispiel in Offenburg.

Entwicklung der effizientesten Rohstoff-Mine der Welt – Die Gewinnung und Aufbereitung von Rohstoffen ist mit erheblichen ökologischen und sozialen Auswirkungen verbunden. Die Gewinnung, Aufbereitung und Veredelung von Rohstoffen beruht auf komplexen verfahrenstechnischen Prozessketten. Baden-württembergische Unternehmen mit ihrem Knowhow und ihrer Innovationskraft könnten an der Optimierung dieser Prozesse arbeiten. Vor diesem Hintergrund erachtet die Studie eine Gemeinschaftsinitiative von Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung für erstrebenswert, deren Arbeit eine möglichst effiziente Rohstoffgewinnung zum Ziel hat: die effizienteste Rohstoff-Mine der Welt mit Knowhow und Technologie aus Baden-Württemberg.

Die Landesstrategie Ressourceneffizienz soll bis Ende 2015 vorgelegt werden und verfolgt drei Ziele:

  1. Das wirtschaftliche Wachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln, unter Beibehaltung der Wirtschaftsstruktur und des hohen Anteils an produzierendem Gewerbe.
  2. Das Ziel der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie – Verdoppelung der Rohstoffproduktivität von 1994 bis 2020 – zu unterstützen und geeignetere Indikatoren zur Steuerung der Ressourceneffizienz zu entwickeln.
  3. Baden-Württemberg zum Leitmarkt und zum Leitanbieter von Ressourceneffizienztechnologien zu entwickeln. Baden-Württemberg soll eine der ressourceneffizientesten Regionen werden.

Als Arbeitsschwerpunkte wurden fünf thematische Bereiche festgelegt, die in der Akteursplattform vertieft werden:

  1. Innovationen und Technologieentwicklung
  2. Material- und Energieeffizienz in Unternehmen
  3. Indikatoren, Messgrößen und Ziele
  4. Ressourceneffiziente Rohstoffgewinnung und Rohstoffversorgung der Wirtschaft.
  5. Kreislaufwirtschaft und Produktdesign.
Geschäftsleute im Gespräch
  • Landesstrategie

Akteursplattform Ressourceneffizienz

Die Akteursplattform Ressourceneffizienz soll einen Fahrplan zur Verbesserung der Ressourceneffizienz in Baden-Württemberg erarbeiten. Neben Politik und Wirtschaft beteiligen sich auch Gewerkschaften, Naturschutzverbände, die Wissenschaft und der Finanz- und Bankensektor.

Brennstoffzellentechnik
  • IDEENVIELFALT

Ressourceneffizienz und Umwelttechnik

Innovative Umwelttechnologien schonen die natürlichen Ressourcen und entlasten die Umwelt. Zugleich wächst der Markt für diese Technologien – ein bedeutendes Wachstumsfeld für die baden-württembergische Wirtschaft. 

Kamera beim Filmdreh
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