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Naturschutz
  • 30.03.2019

Verleihung des 19. Landesnaturschutzpreises – „Hummel, Has‘ und Salamander – Vielfalt geht nur miteinander!“

  • Preisträgerinnen und Preisträger des 19. Landesnaturschutzpreises 2019 der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg

    Bild: Thomas Niedermüller

Minister Franz Untersteller: „Der Erhalt und die Förderung der biologischen Vielfalt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die es gemeinsam zu meistern gilt.“

Umwelt- und Naturschutzminister Franz Untersteller hat heute (30.03.) in Stuttgart acht Preisträgerinnen und Preisträgern den 19. Landesnaturschutzpreis der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg verliehen. Das Motto des mit insgesamt 20.000 Euro dotierten Preises lautet: „Hummel, Has‘ und Salamander – Vielfalt geht nur miteinander!“.

„Die biologische Vielfalt ist die tragende Säule der menschlichen Existenz“, betonte der Minister und Vorsitzende der Stiftung Naturschutzfonds. „Ohne sie gäbe es keine fruchtbaren Böden, keine gesicherte Ernährung und kein Gleichgewicht zwischen Wasserhaushalt und Klima“. Untersteller mahnte an, den Erhalt und die Förderung der biologischen Vielfalt als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe anzusehen, die es gemeinsam zu meistern gelte.

„Es geht beim Thema Biodiversität nicht um ein paar Arten, die man schützen muss. Es geht vielmehr um das Netz des Lebens, das zu zerreißen droht, wenn es uns nicht gelingt, den Abwärtstrend zu stoppen und umzukehren“, unterstrich der Umwelt- und Naturschutzminister. Auch die Landesregierung sehe sich in besonderem Maße in der Verantwortung, die Artenvielfalt zu erhalten und habe mit der Erhöhung des Naturschutzetats und dem Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt entsprechend reagiert.

Mit dem diesjährigen Landesnaturschutzpreis werden Initiativen ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für den Erhalt der Arten und die Schaffung neuer oder besserer Lebensräume für Tiere und Pflanzen einsetzen. „Die Preisträgerinnen und Preisträger engagieren sich mit vielfältigen innovativen Ideen und Projekten für Lebensräume von Pflanzen und Tieren, betreiben kreative Öffentlichkeitsarbeit und bieten spannende Bildungsmaßnahmen an“, sagte der Vorsitzende der Stiftung Naturschutzfonds, Minister Untersteller. „Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag für den Erhalt der Biodiversität im Land“.

Ergänzende Informationen

Die Stiftung Naturschutzfonds vergibt den mit insgesamt 20.000 Euro dotierten Landesnaturschutzpreis seit 1982 alle zwei Jahre. In der Regel wird das Preisgeld auf mehrere Preisträgerinnen und Preisträger aufgeteilt.

Die Preisträgerinnen und Preisträger des 19. Landesnaturschutzpreises sind:

Peter Stratz, Simonswald (Landkreis Emmendingen): Orchideen, Arnika und Auerhahn - Lebensaufgabe eines Bergbauern
Peter Stratz setzt sich seit 1982 durch eine entsprechend angepasste Wirtschaftsweise mit großem Engagement und Erfolg für die Artenvielfalt ein. Er führte beispielsweise Entbuschungsmaßnahmen durch, um das in Baden-Württemberg nur im Gebiet des Rohrhardsbergs vorkommende Holunder-Knabenkraut zu fördern. Hierbei beschritt er auch neue Wege. So konnten sich durch eine Änderung in der Gülleausbringung die Bestände dieser Orchidee auf weitere Flächen ausdehnen. Zudem pflegt der Bergbauer zahlreiche FFH-Mähwiesen und arnikareiche Borstgrasrasen. Auch Auerhühner sind Dank der speziellen Bewirtschaftungsweise wieder regelmäßig im Simonswald zu beobachten.

Manfred Weber, NABU Offenburg, Oberkirch-Stadelhofen (Ortenaukreis): Wiederansiedlung des Wiedehopfes im nördlichen Ortenaukreis
Im Winter 2007 begann Manfred Weber vom NABU Offenburg, sich für den Erhalt des Wiedehopfes zu engagieren. In den vergangenen zehn Jahren brachte er im nördlichen Ortenaukreis flächendeckend Nistkästen für den Wiedehopf an. Sein zeitintensiver Einsatz hat sich gelohnt – die Zahl der Bruten nimmt seither jährlich zu. Durch das Engagement von Manfred Weber ist es gelungen, eine stabile Population dieser Tierart in der Vorbergzone des nördlichen Ortenaukreises aufzubauen. Die Schutzmaßnahmen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass der ehemals in Baden-Württemberg stark gefährdete Wiedehopf sein Areal in der Oberrheinebene ausweiten konnte. Dadurch konnte der Wiedehopf auch wieder aus der Roten Liste Baden-Württemberg entlassen werden.

Karl Zachmann, Bad Saulgau (Landkreis Sigmaringen): Karl Zachmann – ehrenamtlicher Biberberater im Kreis Sigmaringen
Als Biberberater setzt sich Karl Zachmann seit 2012 mit Erfolg dafür ein, Betroffenen die Schutzwürdigkeit des Bibers zu erläutern und Verständnis für dessen Aktivitäten zu wecken. Dabei geht sein Einsatz weit über das hinaus, was er als Ehrenamtlicher leisten müsste. Karl Zachmann hält genau fest, wo in seinem Bearbeitungsgebiet sich wie viele Biber befinden, analysiert die Problemlage und schlägt fachkundige Maßnahmen vor. Durch seine ausgeprägten sozialen Kompetenzen versteht er es zudem, die Menschen mitzunehmen und Lösungen zu erwirken. Er trägt damit wesentlich zur gesellschaftlichen Akzeptanz dieser Tierart bei.

Adalbert und Elke Künzig, Königheim-Pülfringen (Main-Tauber-Kreis): Ein Feuchtbiotop für bedrohte Tiere in unserer durch Flurbereinigung ausgeräumten Landschaft
Adalbert Künzig und seine Tochter Elke begannen 1990 mit ihrem Projekt. Zur Anlage eines Feuchtbiotops erwarben sie eine 28 Ar große bis dahin intensiv genutzte Ackerfläche und gestalteten sie in vielen Arbeitsstunden und mit erheblichen eigenen Mitteln um. Im Umfeld des angelegten Teiches pflanzten sie ergänzend Obst-Hochstämme, setzten Waldbäume und Büsche und hängten Nistkästen für Vögel und Fledermäuse auf. Darüber hinaus veranstalteten die beiden auch Führungen und Diavorträge zu ihrer Maßnahme. Über die Jahre hat sich dadurch aus einer intensiv genutzten Ackerfläche ein kleines Naturparadies inmitten einer intensiv genutzten Landschaft entwickelt.

Pröbstle Biohof GbR, Scheer (Landkreis Sigmaringen): Artenvielfalt vom Acker bis auf den Teller begleitet: Genuss, der nach Oberschwaben schmeckt
Seit 1987 gestaltet die Familie Pröbstle auf ihrem Bioland-Betrieb die Landwirtschaft mit großem Engagement und zahlreichen kreativen Ideen so, dass die Lebensräume für Flora und Fauna bewahrt und gefördert werden. Im Familienbetrieb werden die Pflege und Entwicklung von artenreichem Grünland sowie der Anbau alter Urgetreidesorten umgesetzt. Die von Familie Pröbstle extensiv gepflegten Hochstamm-Streuobstwiesen weisen eine besondere Sortenvielfalt und einen hohen Altbestand auf. Unter dem Motto „Vom Grashalm bis hin zum Teller“ gelingt es den Betreibern des Biohofs, durch Aktionstage, das Anbieten von Schülerpraktika sowie Mit-Mach-Aktionen wie die Apfelbaum- und Bienenpatenschaften, die Kunden aktiv in das Thema Artenvielfalt und ihren Erhalt einzubeziehen.

NABU Freiburg e. V. AG Wildbienen am Tuniberg, Freiburg-Opfingen (Stadtkreis Freiburg): Wildbienen-Lehrgarten in Freiburg-Opfingen
Die Arbeitsgruppe „Wildbienen am Tuniberg“ baute 2017 einen Wildbienen-Lehrgarten auf, um die Bevölkerung für die Belange der Wildbienen zu gewinnen. In diesem Lehrgarten wird zum einen praktischer Artenschutz gelebt. So hat die Arbeitsgruppe beispielsweise Wiesendrusch angesät, bienenfreundliche Gartenstauden angepflanzt sowie Trockenmauern errichtet und Nistmöglichkeiten für Wildbienen angelegt. Die Wissensvermittlung ist ein weiterer wichtiger Baustein des 1.000 Quadratmeter großen Lehrgartens. Es wird anschaulich gezeigt, wie man mit einfachen Maßnahmen und attraktiver Gestaltung des eigenen Gartens einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten kann.
Die Kombination von pädagogischer, theoretischer und praktischer Arbeit mit Menschen verschiedener Altersgruppen wie auch die Evaluation der Ergebnisse sind besonders hervorzuheben.

Netzwerk Heubühl im Rahmen der Lokalen Agenda, Bruchsal (Landkreis Karlsruhe): Natur vermitteln und erlebbar machen - Artenvielfalt fördern
Die Ziele des 2011 im Rahmen der Lokalen Agenda Bruchsal gegründeten Netzwerks Heubühl sind insbesondere der Erhalt von Streuobstwiesen und die Gestaltung naturnaher Gärten und heimischer Hecken. Das aus acht Einzelinitiativen zusammengeschlossene Netzwerk verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz mit dem Schwerpunkt Naturpädagogik. Es bietet auf dem stadtnahen Heubühl zahlreiche und vielfältige generationenübergreifende Angebote zum Erhalt der heimischen Artenvielfalt an. Der sogenannte Projektegarten wird für Bildungsangebote genutzt. Eine Besonderheit ist die 2018 gestartete Bienenpatenschaft, die es ermöglicht, über ein ganzes Jahr hinweg die Arbeit eines Imkers kennenzulernen. Beim jährlichen Heubühlfest mit Aktionen aller am Netzwerk beteiligten Initiativen werden mehr als 1.000 Interessierte erreicht.

Sonnenwirbel, Naturpädagogik mit Tieren e. V., Korntal-Münchingen (Landkreis Ludwigsburg): Ein Naturkindergarten schafft Artenvielfalt: 15 Jahre Streuobstwiese
​​​​​​​Der Naturkindergarten Sonnenwirbel hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern eine lebenslange Liebe zur Natur mitzugeben. Als ein Baustein dieser Philosophie wurde vor 15 Jahren – gemeinsam mit Kindern und Eltern – eine ein Hektar große Streuobstwiese neu angelegt. Das Thema wird für die Kinder spielerisch aufbereitet, sodass sie über die Jahre einen besonderen Bezug zum Lebensraum Streuobstwiese aufbauen, nicht zuletzt auch bedingt durch ihre Einbindung bei Pflegearbeiten. Eine Besonderheit des Projektes ist, dass schulreife Kinder zum Abschied einen neuen Baum pflanzen. Dadurch umfasst die Streuobstwiese zwischenzeitlich mehr als 100 Bäume. Durch die extensive Pflege haben sich auf dem ehemaligen Maisacker im Laufe der Jahre viele heimische Pflanzen ausgebreitet. Um die Artenvielfalt zu erhöhen, wurden zudem Nisthilfen angebracht.

Weitere Informationen

www.stiftung-naturschutz-bw.de


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