Hochwasserschutz

Spatenstich zum Rückhalteraum Kulturwehr Breisach

Im Rahmen des Spatenstichs zum Bau des Hochwasserrückhaltebeckens Kulturwehr Breisach hat Umweltminister Franz Untersteller in Breisach auf die Bedeutung des Integrierten Rheinprogramms (IRP) hingewiesen: „Das jüngste Hochwasser hat uns darin bestärkt, am Rahmenkonzept für das IRP festzuhalten und es möglichst zügig umzusetzen.“

Auch deswegen habe die Landesregierung die Mittel für den Hochwasserschutz im Doppelhaushalt 2013/2014 auf über 47 Millionen Euro pro Jahr gegenüber dem Jahr 2011 fast verdoppelt. „Das Kulturwehr Breisach verbessert den Hochwasserschutz am Oberrhein und stellt einen wichtigen Baustein bei der Umsetzung des Integrierten Rheinprogramms dar“, erklärte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer. Nach seiner Fertigstellung in voraussichtlich sechs Jahren erhöhe sich das im IRP insgesamt verfügbare Rückhaltevolumen damit um weitere 9,3 Millionen Kubikmeter.

In Anbetracht des jüngst abgelaufenen, größten flächendeckenden Hochwassers in Baden-Württemberg seit Mai 1978 betonte Umweltminister Franz Untersteller die zunehmende Bedeutung eines vorausschauenden Hochwasserrisikomanagements. Zwar seien technische Bauwerke wie das Kulturwehr Breisach außerordentlich wichtig, sie alleine könnten jedoch solch katastrophale Folgen und immense Schäden, wie sie vor Kurzem insbesondere an der Elbe oder der Donau aufgetreten sind und auch am Oberrhein auftreten könnten, nicht vermeiden. „Hochwasser macht nicht vor Baugebieten halt“, betonte der Umweltminister.

„Neue Bebauungen in hochwassergefährdeten Gebieten müssen daher künftig soweit wie möglich vermieden werden. Wir müssen aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und dürfen das enorme Schadenspotenzial auch dann nicht einfach ignorieren, wenn wir vom Hochwasser mal wieder ein paar Jahre verschont geblieben sind.“

Hochwasserschutzstrategie des Landes

Der technische Hochwasserschutz – also der Bau von Poldern, Hochwasser-rückhalteräumen und -rückhaltebecken sowie Deichen und Dämmen – soll das Schadensrisiko in besiedelten Gebieten vermindern. Er ist ein Baustein der Hochwasserschutzstrategie des Landes, um durch gemeinsames Handeln des Landes mit den Kommunen und den Bürgerinnen und Bürgern die Hochwassergefahr zu mildern und die Hochwasserschäden durch gezieltes Hochwassermanagement zu vermindern oder auszuschließen.

Das Hochwasserrisikomanagement des Landes umfasst alle Maßnahmen, um ein Hochwasserereignis sowohl präventiv, als auch während und danach zu bewältigen. Im Fokus steht dabei die Risikominimierung sowohl durch Maßnahmen des Flächenmanagements und der Hochwasservorsorge als auch durch technische Maßnahmen. Beim Hochwasserflächenmanagement geht es aufbauend auf den Hochwassergefahrenkarten darum, neue Bebauungen und sensible Nutzungen in hochwassergefährdeten Gebieten so weit wie möglich zu vermeiden. Mit der Hochwasservorsorge wird mit Unterstützung durch zuverlässige Prognosen durch die Hochwasservorhersagezentrale der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) das Motto verfolgt „Vorsorgen ist besser als Nachsorgen“.

Integriertes Rheinprogramm (IRP)

Die Maßnahmen des Integrierten Rheinprogramms haben das Ziel, den vor dem Oberrheinausbau unterhalb von Iffezheim vorhandenen Hochwasserschutz wieder herzustellen. Das soll auf umweltverträgliche Weise geschehen, was bedeutet, dass in den Retentionsräumen so weit möglich eine überflutungstolerante Flora und Fauna erhalten oder wieder hergestellt werden muss. Um dieses Ziel zu erreichen, ist auch die Durchführung von ökologischen Flutungen notwendig.

Das IRP sieht vor, an 13 Standorten auf der baden-württembergischen Rheinseite Hochwasserrückhalteräume mit einem Gesamtvolumen von 167,3 Millionen Kubikmeter auf ehemaligen Aueflächen zu schaffen. Mit den Poldern Altenheim, dem Kulturwehr Kehl/Straßburg und dem Polder Söllingen/Greffern sind bereits drei der insgesamt 13 Rückhalteräume IRP einsatzbereit. Diese stellen zusammen 66,6 Millionen Kubikmeter Rückhaltevolumen (über 40 Prozent des Gesamtvolumens) zur Verfügung. Damit kann unterhalb der Staustufe Iffezheim der Schutz vor einem 100 bis 120jährlichen Hochwasserereignis sichergestellt werden.

Kulturwehr Breisach

Das Kulturwehr Breisach wurde durch die Bundesrepublik Deutschland zur Stützung des Grundwasserspiegels und damit zu Schutz und Pflege landwirtschaftlicher Kulturen gebaut und 1965 in Betrieb genommen. Nun soll es für den Einsatz zur Hochwasserrückhaltung gerüstet werden. Der Rückhalteraum Kulturwehr Breisach wird vom Land gebaut, was mit Kosten in Höhe von rund 80 Millionen Euro verbunden ist, an denen sich der Bund zu 41,5 Prozent beteiligt. Derzeit wird von einer Bauzeit von gut sechs Jahren ausgegangen. Das im IRP zur Verfügung stehende Rückhaltevolumen wird sich hiermit um weitere 9,3 Millionen Kubikmeter erhöhen.

Weiterführende Informationen

Hochwasserschutz in Baden-Württemberg
Integriertes Rheinprogramm