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Klimaschutz
  • 29.09.2017

Forschungsvorhaben „Energie- und Klimaschutzziele 2030“: Umweltministerium veröffentlicht Ergebnisbericht

Umweltminister Franz Untersteller: „Die vorliegende Studie zeigt einen Weg, wie wir unsere Klimaschutzziele bis 2050 erreichen können. Einfach wird das sicher nicht.“

Die Klimaschutzziele des Landes bis 2050 stehen fest, jetzt hat das baden-württembergische Umweltministerium eine Studie vorgelegt, wie der Weg bis 2030 aussehen könnte, damit dieses Ziel auch erreicht werden kann. Das Umweltministerium hatte das Forschungsvorhaben im Sommer vergangenen Jahres auf den Weg gebracht und gefördert. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben daraufhin ein Zielszenario entwickelt, das eine Grundlage für die geplante Weiterentwicklung des Integrierten Energie- und Klimaschutzkonzeptes Baden-Württemberg, IEKK, und die Fortschreibung des Klimaschutzgesetzes Baden-Württemberg bildet.

„Die energiebedingten Treibhausgasemissionen in den Sektoren Stromerzeugung, Industrie, private Haushalte, Verkehr und Gewerbe, Handel, Dienstleistungen wurden detailliert untersucht. Dazu die Emissionen in den Bereichen Landwirtschaft und Abfallwirtschaft. Herausgekommen sind einige teilweise auch unbequeme Erkenntnisse und Empfehlungen, mit denen wir uns in den nächsten Monaten beschäftigen werden“, erklärte Umweltminister Franz Untersteller.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben das Jahr 2050 zum Fixpunkt ihrer Überlegungen gemacht und ein Szenario zur zukünftigen Entwicklung der Treibhausgasemissionen erstellt. Insbesondere wurden dabei auch die europapolitischen und bundespolitischen Rahmenbedingungen berücksichtigt. Entstanden ist so ein in sich schlüssiges Szenario, das Wege aufzeigt, wie es gelingen kann, bis zur Mitte dieses Jahrhunderts die Treibhausgasemissionen tatsächlich um 90 Prozent gegenüber 1990 verringert zu haben.

„Es wird sicher nicht einfach“, sagte Umweltminister Franz Untersteller, „aber wenn wir unsere Lebensgrundlagen erhalten und künftige Generationen vor Naturkatastrophen schützen wollen, müssen wir unsere Anstrengungen beim Klimaschutz deutlich erhöhen – und zwar auf allen Ebenen.“

Die Studie habe allerdings auch ergeben, dass der Erfolg des Landes im Klimaschutz maßgeblich von der europäischen Klimaschutzpolitik und von der Klimaschutzpolitik des Bundes abhänge, bekräftigte Untersteller. Das Land sei angewiesen auf ambitionierte Vorgaben aus Brüssel und Berlin. Es reiche nicht aus, dort nur gut klingende Ziele zu verkünden: „Beispielsweise muss der Klimaschutzplan des Bundes bis 2050 jetzt schnell durch ein entsprechendes Maßnahmenpaket bestätigt und in den kommenden Jahren auch umgesetzt werden. Und wir brauchen endlich ein europäisches Emissionshandelssystem, das Anreize zum CO2-Sparen setzt und nicht zur Verschwendung animiert“, sagte Untersteller.

Ausgewählte Ergebnisse der Studie „Energie- und Klimaschutzziele 2030“

Um das Klimaschutzziel des Landes (minus 90 Prozent im Jahr 2050) zu erreichen, ist laut Studie bis zum Jahr 2030 eine Treibhausgasminderung um 42 Prozent auf dann gut 51 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente nötig (Basisjahr 1990). Das würde eine Minderung um gut 24 Millionen Tonnen gegenüber 2014 bedeuten. Dafür müssten die erneuerbaren Energien 2030 für 56 Prozent der Bruttostromerzeugung sorgen (92 Prozent im Jahr 2050), der Endenergieverbrauch müsste gegenüber 2010 um weitere 22 Prozent auf dann 825 Petajoule gesunken sein (627 Petajoule im Jahr 2050).

Verkehr
Um diese Zwischenziele zu erreichen und das Ziel für 2050 nicht aus den Augen zu verlieren, sind vor allem im Verkehrssektor entschiedene Weichenstellungen nötig, schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrem Bericht. Sie benennen die Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs auf öffentliche Verkehrsmittel sowie die Elektrifizierung des Verkehrs als Schlüsselstrategien, um die verkehrsbedingten CO2-Emissionen wirkungsvoll zu senken. Potenzial bestehe auch beim Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie bei der Beschaffung von Fahrzeugen für die öffentliche Verwaltung.

Industrie
Um die Treibhausgasemissionen der Industrie zu senken, nimmt die Studie vor allem den Bund und Europa in die Pflicht. Der europäische Emissionshandel, das Bundesimmissionsschutzgesetz sowie die Steuer- und Abgabengesetzgebung seien wichtige Hebel, die unter Klimaschutzgesichtspunkten weiter verbessert werden müssten. Das Land könne seinerseits auf dem Gebiet der Ressourceneffizienz, sowohl in industriellen Prozessen als auch beim Einsatz klimafreundlicher Baustoffe, weitere Impulse setzen. Vor allem in der Zementindustrie sehen die Forscherinnen und Forscher Ansatzpunkte.

Stromerzeugung
Bei der Stromerzeugung steht die Steinkohle im Fokus, die 2014 für rund 90 Prozent der Emissionen aus der Stromerzeugung verantwortlich war. Bis 2030 wird das Emissionsniveau im Studienszenario fast halbiert auf dann noch 7,6 Millionen Tonnen CO2. Ersetzt wird die Steinkohle durch mehr erneuerbare Energien und den Ausbau der erdgasbasierten Kraft-Wärme-Kopplung.

Die wesentlichen Rahmenbedingungen für eine ökologische und nachhaltige Stromerzeugung werden allerdings im Bund und in Europa gesetzt, betont die Studie und nennt beispielhaft das Erneuerbare-Energien-Gesetz des Bundes. Einen ambitionierten Ausbaupfad für die Erneuerbaren festzulegen sowie realistische Ausbauchancen für die Windkraft auch in Baden-Württemberg zu schaffen, sei Aufgabe des Bundes. Das ist umso wichtiger als fossile Brenn- und Kraftstoffe durch Strom ersetzt werden müssen, wenn die Klimaschutzziele erreicht werden sollen.

Gebäudesektor
Den effektivsten Hebel, um im Gebäudesektor erfolgreich Klimaschutz zu betreiben, sehen die Urheber der Studie im Ordnungsrecht. Das Erneuerbare-Wärme-Gesetz des Landes sollte deshalb weiterentwickelt und um Vorgaben für eine kommunale Wärmeplanung erweitert werden, schlagen sie vor. Außerdem müssten möglichst rasch höhere Effizienzstandards an Neubau und Sanierung angelegt werden. Der Einbau von Ölheizungen, so die Forscher, müsste ab 2025 ganz unterbleiben, stattdessen müssten verstärkt erneuerbare Energien und Wärmepumpen eingesetzt werden.

Als wichtig erachten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch, die Systematik der Energiesteuern und -abgaben neu zu regeln – fossile Brennstoffe seien im Vergleich zu erneuerbarem Strom bevorteilt.

Insgesamt räumen die an dem Vorhaben beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dem Verkehrssektor mit eingesparten 7,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten zwischen 2014 und 2030 den wichtigsten Part in ihrem Szenario ein. Gefolgt vom Haushaltssektor und der Stromerzeugung mit einem Anteil an der Treibhausgasminderung von 4,6 beziehungsweise 4,4 Millionen Tonnen bis 2030. Die Industrie schließlich soll bis dahin 3,4 Millionen Tonnen energiebedingte und prozessbedingte Treibhausgasemissionen einsparen.

Der Pfad ab dem Jahr 2030, den die Studie ebenfalls skizziert, würde für den Verkehrssektor weitere 12,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente Minderung bedeuten. Im Bereich der Haushalte 5,7 Millionen Tonnen, bei der Stromerzeugung 11,9 Millionen und in der Industrie 5,1 Millionen Tonnen.

Ergänzende Informationen

An dem Forschungsvorhaben „Energie- und Klimaschutzziele 2030“ waren folgende Partner beteiligt:

  • Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (ZSW)
  • ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH
  • Öko-Institut e. V.
  • Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI
  • HIR Hamburg Institut Research
  • Dr. Joachim Nitsch

Zum Herunterladen

Forschungsvorhaben „Energie- und Klimaschutzziele 2030“ – Studie [09/17; 6 MB]

Forschungsvorhaben „Energie- und Klimaschutzziele 2030“ – Zusammenfassung der Studie [09/17; 441 KB]


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