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Wasser
  • 29.09.2017

Ergebnisse der landesweiten Grundwasserüberwachung 2016 veröffentlicht

Umweltminister Franz Untersteller: „Die Maßnahmen des Landes zeigen Wirkung. Die Nitratbelastung des Grundwassers hat über die Jahre deutlich abgenommen.“

Düngeverordnung, Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung in Wasserschutzgebieten und Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl außerhalb von Wasserschutzgebieten – das sind die Werkzeuge, derer sich das Land bedient, um die Nitratbelastung des Grundwassers zu verringern. „Die Maßnahmen des Landes zeigen Wirkung“, sagte Umweltminister Franz Untersteller anlässlich des heute (29.09.) in Karlsruhe veröffentlichten Jahresberichts 2016 zur Grundwasserüberwachung in Baden-Württemberg.

Untersteller erläuterte: „Die landesweite Nitratbelastung des Grundwassers hat seit 1994 um 22 Prozent abgenommen. Der Schwellenwert der Grundwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter wurde im Jahr 2016 nur noch an rund jeder elften Messstelle überschritten.“ Hohe Nitratbelastungen finde man insbesondere in der nördlichen und südlichen Oberrheinebene, in Teilen des Kraichgaus, im Neckarraum zwischen Stuttgart und Heilbronn sowie in der Region Oberschwaben“, so der Minister weiter.

In Wasserschutzgebieten mit hoher Nitratbelastung, den sogenannten Problem- und Sanierungsgebieten, hat sich die mittlere Nitratkonzentration seit 2001 um etwa 11 beziehungsweise 15 Prozent verringert. Betrachtet man die vor 16 Jahren durchgehend als Wasserschutzgebiete ausgewiesenen Flächen, so waren zum damaligen Zeitpunkt 41.848 Hektar Sanierungsgebiet, aktuell sind es noch 14.198 Hektar. Das ist ein Rückgang um 66 Prozent. „Dieser beachtliche Erfolg ist im Wesentlichen den in Wasserschutzgebieten geltenden Regelungen der Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung zuzuschreiben“, erklärte Franz Untersteller die positive Entwicklung.

Verbraucherinnen und Verbraucher im Land können auch künftig darauf vertrauen, dass ihnen Trinkwasser in ausreichender Menge und guter Qualität zur Verfügung steht. Dafür sorgen die Wasserversorgungsunternehmen und die Überwachungsbehörden gemeinsam.

In Baden-Württemberg wird knapp drei Viertel des Trinkwassers aus Grund- und Quellwasser gewonnen. Die LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg in Karlsruhe überwacht daher regelmäßig das Grundwasser an bis zu 2.000 Messstellen. Zusätzlich kontrollieren die Wasserversorgungsunternehmen an weiteren rund 2.300 Messstellen in Wasserschutzgebieten die Grundwasserqualität und stellen diese Daten dem Land zur Verfügung. Neben Nitrat und Pflanzenschutzmitteln wird das Grundwasser dabei regelmäßig auch auf organische Spurenstoffe untersucht. „Das Messnetz informiert uns permanent und gut über die Qualität und Quantität des Grundwassers“, betonte der Umweltminister und ergänzte: „Sollten Probleme auftauchen, können umgehend entsprechende Maßnahmen auf den Weg gebracht werden.“

Weitere Ergebnisse der Grundwasserüberwachung 2016

Grundwasservorräte allgemein
Nach zwei Jahren mit unterdurchschnittlichen Jahresniederschlägen waren die Verhältnisse 2016 mit 97 Prozent des langjährigen Mittels wieder im mittleren Bereich. Allerdings war das Jahr 2016 zweigeteilt – eine erste feuchte Jahreshälfte, bei der der Bodenwasserspeicher gut gefüllt war und eine zweite trockene Jahreshälfte infolge geringer Niederschläge, hoher Verdunstung und hohem Wasserbedarf der Vegetation. Daran änderten auch die überdurchschnittlichen Niederschläge im November nichts, zumal der Dezember auch wieder sehr trocken war. Die Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser war jedoch zu keiner Zeit gefährdet.

Wasserschutzgebiete
Etwas mehr als ein Viertel der Landesfläche ist als Wasserschutzgebiet ausgewiesen. Dort gilt die Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung, wonach die Wasserschutzgebiete in Abhängig¬keit von der Nitratbelastung in sogenannte „Normalgebiete“ (83 Prozent der Wasserschutzgebietsfläche) sowie „Problemgebiete“ und „Sanierungsgebiete“ (17 Prozent der Wasserschutzgebietsfläche) eingeteilt werden. Die Nitratbelastung des Grundwassers wird insbesondere durch Auswaschung des Stickstoffs in Form von Nitrat aus landwirtschaftlich genutzten Böden verursacht. Je nach Einstufung des Wasserschutzgebietes werden unterschiedliche Maßnahmen zur Verringerung der Nitratbelastung umgesetzt.

Über die Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung stellt das Land den Landwirtinnen und Landwirten jährlich rund 20 Millionen Euro Ausgleichsleistungen für die eingeschränkte Bewirtschaftung der Flächen und die damit verbundenen höheren Kosten oder Erlöseinbußen in den Problem- und Sanierungsgebieten zur Verfügung.

Mit dem Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl können darüber hinaus auch außerhalb von Wasserschutzgebieten freiwillige Maßnahmen von Landwirtinnen und Landwirten zur Verringerung von Nitrateinträgen in Boden und Grundwasser ausgeglichen werden. Der Ausgleich erfolgt auch hier für die mit den entsprechenden Bewirtschaftungsauflagen verbundenen höheren Kosten oder geringeren Erlöse.

Pflanzenschutzmittel
Die Belastung mit Pflanzenschutzmitteln wird hauptsächlich durch Wirkstoffe und deren Abbauprodukte verursacht, die schon seit 25 Jahren verboten sind. Diese Substanzen werden im Grundwasser nur sehr langsam abgebaut und daher noch lange nachzuweisen sein. Die Konzentrationen sind überwiegend rückläufig.

Organische Spurenstoffe
Süßstoffe und Benzotriazole haben sich in den letzten Jahren als geeignete Tracer für kommunale Abwässer erwiesen. Künstliche Süßstoffe werden in großen Mengen als Zusatzstoffe in Getränken, Lebensmitteln und Körperpflegeprodukten eingesetzt. Sie werden im Körper nicht verstoffwechselt und gelangen unverändert in das Abwasser. Benzotriazole finden breite Verwendung als Korrosionsschutz in Enteisungsmitteln, Kühlflüssigkeiten und Motorschmierstoffen. Eine bedeutende Quelle sind Geschirrspülmittel, die diese Substanzen als Silberschutz für Besteck enthalten. Die Konzentrationen beider Stoffgruppen sind zwar überwiegend sehr gering und für den Menschen unbedenklich, deuten aber darauf hin, dass eine Abwasserbeeinflussung vorliegt, sei es durch direkten Eintrag aus undichten Abwasserkanälen oder durch Uferfiltrat. Deswegen unterstützt das Land zum Beispiel Städte und Gemeinden dabei, schadhafte Abwasserkanäle zu sanieren und somit das Grundwasser zu schützen.

Bei den PFC (per- und polyfluorierte Chemikalien) konnten eine oder mehrere Verbindungen an teilweise bis zu rund 60 Prozent der etwa 560 beprobten Grundwassermessstellen nachgewiesen werden. In mehr als der Hälfte der Fälle lagen sehr niedrige Konzentrationen vor. An 14 Messstellen wurden die für Baden-Württemberg geltenden Orientierungswerte (Quotientensumme) überschritten. Dabei handelt es sich um bereits bekannte lokale Belastungsschwerpunkte wie den PFC-Schadensfall Rastatt/Baden-Baden oder um Grundwassermessstellen, die durch Brände, Brandschutzübungen oder Abwässer beeinflusst sind. Die 32 untersuchten Rohwassermessstellen für die öffentliche Wasserversorgung waren hiervon nicht betroffen.

Schwermetalle
Schwermetalle im Grundwasser sind meist geogener Natur, können in Einzelfällen punktuell aber auch von anthropogenen Einträgen herrühren. Auf die Fläche bezogen stellen die metallischen Spurenstoffe in Baden-Württemberg für das Grundwasser kein Problem dar.

Ergänzende Informationen

Der Bericht „Grundwasser-Überwachungsprogramm – Ergebnisse der Beprobung 2016“ kann unter www.lubw.baden-wuerttemberg.de abgerufen werden. Zur Auswahl stehen eine achtseitige Kurzfassung [09/17; 4,8 MB] und ein ausführlicher 93-seitiger Fachbericht [09/17; 40,8 MB].

Für weitere Informationen steht die Pressestelle der LUBW telefonisch unter 0721 5600-1387 oder per Mail unter pressestelle@lubw.bwl.de gerne zur Verfügung.


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