Energie

Contracting-Modelle als Chance für die Energiewende

Umweltminister Franz Untersteller hat den offiziellen Abschlussbericht der Arbeitsgruppen der Contracting-Offensive übergeben bekommen. Die Offensive hatte zwischen Juli 2012 und Juli 2013 in zahlreichen Sitzungen und Arbeitsgruppen die Möglichkeiten und Chancen des Energie-Contractings als Motor für die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen in Gebäuden untersucht.

Die rund 150 Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden, Kammern, Finanzwirtschaft, Interessensvereinen, Energieagenturen, Contractoren und der Verwaltung haben hierbei insbesondere über öffentliche Liegenschaften, Industrie- und Bürobauten sowie Wohngebäude diskutiert. Umweltminister Franz Untersteller unterstrich bei der Übernahme des Berichts die Bedeutung von Energie-Contracting für Fortschritte bei der Energieeffizienz: „Wir müssen Contracting stärker nutzen, um die Modernisierung von Anlagen der technischen Gebäudeausrüstung aber auch die Sanierung ganzer Gebäude entscheidend voranzubringen.“ Um auf diesem Weg vorwärts zu kommen, habe die Contracting-Offensive wertvolle Arbeit geleistet und mit dem jetzt vorgelegten Abschlussbericht eine gute Grundlage für weitere Gespräche geliefert. Besonders wertvoll sei gewesen, dass sich alle Beteiligten unmittelbar über die aus ihrer Sicht jeweils vorhandenen Problemstellungen austauschen konnten. „Wir müssen die Vorteile von Contracting-Modellen viel stärker publik machen und Berührungsängste abbauen“, sagte Untersteller.

Dezernent Rainer Specht vom baden-württembergischen Städtetag, der stellvertretend den Abschlussbericht überreichte, sieht in den zehn zentralen Empfehlungen ein starkes Signal für intelligente Contracting-Lösungen und Rückenwind für die weitere partnerschaftliche Umsetzung in Baden-Württemberg. „Der aufgezeigte Contracting-Werkzeugkasten enthält viele aufeinander abgestimmte Bausteine, um bei zeitnaher Umsetzung aus der Contracting-Offensive eine Energieeffizienz-Offensive mit Schubkraft werden zu lassen“, resümierte Specht. Dies sei auch ganz im Sinne der Umsetzung der ehrgeizigen Ziele des Klimaschutzgesetzes Baden-Württemberg. Bei den Empfehlungen ist Konsens aller Beteiligten, dass Energie-Contracting mehr ist als ein Finanzierungsinstrument: Es hilft, die Energieeffizienz im wichtigen Altgebäudebestand zu heben, kann den Einsatz von erneuerbaren Energien fördern, schafft Planungs- und Ausgabensicherheit für einen längeren Zeitraum mit der Chance, Investitionen vorzuziehen und verbessert gleichzeitig die Qualität der Projekte.

Aufhebung der Einzelgenehmigungspflicht

Aus den Vorschlägen sollte nach Vorstellung der Teilnehmer die Vorbereitung eines „Kompetenzzentrums Energie-Contracting Baden-Württemberg“ rasch angegangen werden. Dies gelte auch für die Aufhebung der Einzelgenehmigungspflicht für kommunale Contracting-Projekte. Begleitende Kommunikations- und Qualifizierungsinitiativen seien ebenfalls wichtig. Weitere Maßnahmen, die im Abschlussbericht aufgeführt sind, sind zum Beispiel die Stärkung der energetischen Sanierung auf Quartiersebene, die Ausweitung der Contracting-Förderprogramme oder die Entwicklung einer praktischen Handreichung für die Umsetzung von Energie-Contracting vor Ort. Die Umsetzung dieser und weiterer Maßnahmen ist für die jetzt anlaufende Phase II der Contracting-Offensive geplant, erste Schritte wurden bereits unternommen.

Energie-Contracting

Unter Energie-Contracting versteht man die umfassende Zusammenarbeit mit einem Energiedienstleister, dessen Angebot sowohl die nötige Investition in die Steigerung der Energieeffizienz eines Gebäudes umfasst als auch die damit garantierte langfristige überdurchschnittliche Einsparung von CO2-Emissionen. Die Leistungen des Contractors umfassen Planung, Bau und Betrieb sowie die Finanzierung einer Energieerzeugungsanlage oder einer technischen Gebäudeausrüstung. Ziel eines Energie-Contracting-Projekts ist die Effizienzsteigerung und letztlich die nachhaltige Reduktion der Energieverbräuche in einem Gebäude. Der Profit des Contractors entsteht durch die über die erreichte Effizienz eingesparten Kosten des Auftraggebers. Beruhend auf diesem Prinzip finden unterschiedliche Modelle des Energie-Contractings und auch diverse Mischformen in der Praxis ihre Anwendung.

Die Teilnehmer der Contracting-Offensive

Teilnehmer an der Contracting-Offensive waren neben dem Umweltministerium die kommunalen Landesverbände, die Architekten- und Ingenieurkammer Baden-Württemberg, das Handwerk (Baden-Württembergischer Handwerkstag, Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg sowie Fachverband Elektro- und Informationstechnik Baden-Württemberg), der Verband kommunaler Unternehmen, diverse Finanzinstitutionen (Bankenverband Baden-Württemberg, Sparkassenverband Baden-Württemberg, Landesbank Baden-Württemberg, L-Bank), der Landesverband der Baden-Württembergischen Industrie, die Industrie und Handelskammer, der Industrieverband Technische Gebäudeausrüstung Baden-Württemberg, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, verschiedene Energielieferer und Contractoren (MVV Energie AG, EnBW AG, Verband für Wärmelieferung, Südwärme AG, KWA Contracting AG, Imtech GmbH & Co. KG), die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft und der Heilbäderverband Baden-Württemberg, Haus & Grund, die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH, die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz, das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz sowie das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft.