Kernenergie

Befunde bei Wirbelstromprüfungen an Dampferzeuger-Heizrohren im Kernkraftwerk Neckarwestheim (Block II)

Kernkraftwerk Neckarwestheim (Foto: ENBW/Daniel Meier-Gerber)

Umfangreiche Prüfungen an mehr als 16 000 Rohren durchgeführt

Im Rahmen der zurzeit laufenden Jahresrevision im Kernkraftwerk Neckarwestheim, Block II, hat der Betreiber umfangreiche Wirbelstromprüfungen an den Heizrohren der Dampferzeuger durchgeführt. Wie bereits im Herbst 2018 festgelegt, mussten alle gut 16 000 Heizrohre der vier Dampferzeuger geprüft werden.

Aufgrund neuer Erkenntnisse im Bereich der eingesetzten Messtechnik wurde 2019 die Mess- und Auswertemethodik verbessert und der Messumfang durch den verstärkten Einsatz zusätzlicher Wirbelstromsonden ausgeweitet. Mit dem in der diesjährigen Revision von der EnBW Kernkraft GmbH verwendeten Messkonzept können aus Sicht des Umweltministeriums und der zugezogenen Gutachter im Rahmen der Messgenauigkeit alle Fehler an der Außenoberfläche der Heizrohre der Dampferzeuger mit sehr hoher Zuverlässigkeit erkannt werden.

Bei den aktuellen Prüfungen wurden erneut an einer größeren Anzahl von Heizrohren Anzeigen festgestellt, die von der Rohraußenseite ausgehen. Sicherheitstechnisch relevante rissartige Wanddickenschwächungen in Umfangsrichtung wurden dabei an 191 Rohren gemessen.

Die Prüfungen mit dem neuen Messkonzept sind zwischenzeitlich abgeschlossen. Der Betreiber hat dem Umweltministerium eine erste Auswertung vorgestellt. Er berichtete, dass es sich um denselben Schadensmechanismus handelt, der auch für die in der Revision 2018 festgestellten rissartigen Befunde mit Spannungsrisskorrosion ursächlich war.

Der Betreiber hat ein Reparaturkonzept vorgestellt, das sich an die Vorgehensweise von 2018 anlehnt. 

Das Umweltministerium wird die von der EnBW Kernkraft GmbH noch vorzulegenden Unterlagen unter Zuziehung von Sachverständigen prüfen und unter sicherheitstechnischen Aspekten bewerten.

Ergänzende Informationen

In jedem Dampferzeuger gibt es 4 100 solcher Heizrohre. Im Leistungsbetrieb beziehungsweise bei Störungen wird über die Dampferzeuger die im Primärkreislauf erzeugte Wärme an den Sekundärkreis abgeführt. Die Wände der Heizrohre müssen dabei die Integrität des Primärkreises sicherstellen und dienen als Barriere zur Aktivitätsrückhaltung. Bei einer Undichtigkeit käme es zu einem unerwünschten Aktivitätsübertrag und Kühlmittelverlust vom Primär- auf den Sekundärkreislauf.

Umfassende Informationen zum Sachstand, zur Schadensanalyse, zu den abgeleiteten Maßnahmen, aber auch zur sicherheitstechnischen Bewertung und zum Vorgehen des Umweltministeriums im Rahmen des meldepflichtigen Ereignisses während der Revision 2018 sind in einem zusammenfassenden Bericht des Umweltministeriums dargestellt.

Zum Herunterladen

Bericht des Umweltministeriums [11/18; 1 MB]