Kreislaufwirtschaft

Recycelter Beton hilft dem Klima

Der Gesetzentwurf zur Neuordnung des Abfallrechts sieht unter anderem den verstärkten Einsatz von Recycling-Baustoffen, etwa R-Beton, vor.

Franz Untersteller möchte Baden-Württemberg zum Umwelt-Vorzeigeland beim Thema Recycling-Beton machen. Mit dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz will der Umweltminister den Staat dazu verpflichten, beim Bau den umweltfreundlichen Baustoff einzusetzen. »Möglichst viele Gebäude, die mit öffentlichen Mitteln gebaut werden, sollen mit diesem umweltfreundlichem Baustoff erstellt werden«, sagt der Grünen-Politiker im GEA-Interview.

GEA: Herr Untersteller, Sie wollen, dass in Baden-Württemberg mehr mit recyceltem Beton gebaut wird und streben eine Gesetzesänderung an.

Franz Untersteller: Pro Jahr werden weltweit sieben Milliarden Kubikmeter Beton hergestellt. Dieser Prozess verursacht sechs bis acht Prozent der globalen CO2-Emissionen. Deshalb kümmern wir uns ganz stark um das Thema Recycling, weil recycelter Beton nicht nur Ressourcen und die Landschaft schont, sondern auch dem Klima hilft. Der Gesetzentwurf wurde gestern im Landtag das erste Mal beraten. Wir wollen in dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz festschreiben, dass die öffentliche Hand bei Baumaßnahmen Recycling-Beton vorrangig verwendet und so ihrer Vorbildfunktion nachkommt. Möglichst viele Gebäude, die mit öffentlichen Mitteln gebaut werden, sollen mit diesem umweltfreundlichem Baustoff erstellt werden.

Was ist mit privaten Bauten? Kann ein Privatmann sein Haus auch mit Recycling-Beton fertigen lassen?

Untersteller: Ja, das darf jeder. Allerdings ist der wiederverwertete Beton derzeit noch teurer. Wir haben bisher zu wenig Anbieter für Recycling-Beton. Ich hoffe, dass wir mit dem neuen Gesetz einen Wachstumsschub auslösen und die Markteinführung vorantreiben können. Dann wird es insgesamt auch kostengünstiger.

Welche Vorteile hat das Wiederverwerten für die Umwelt?

Untersteller: Die Herstellung von Beton bedeutet, dass natürliche Rohstoffe wie Kies und Split abgebaut werden und damit in die Natur eingegriffen wird. Wenn wir Rohstoffe aus dem Abbruch nutzen, schonen wir unsere natürlichen Ressourcen und unsere schöne Landschaft. Wenn dann auch noch die Aufarbeitung und die Verwendung in der Region bleiben, senkt das die Transportwege und -kosten. Alles zusammen führt zu einer relevanten Einsparung an CO2-Emissionen. Zudem schonen wir unsere Deponie. Denn bislang landet ein Großteil des Abbruchmaterials dort. Dabei ist der Deponieraum knapp.

Gibt es eine Gefährdung durch Verunreinigungen oder durch Mischstoffe?

Untersteller: Die Qualität des Betons aus aufgearbeiteten Rohstoffen entspricht der von Beton aus Primärrohstoffen. Das konnten wir nachweisen. Deshalb werden beispielsweise in Zürich fast alle öffentlichen Bauten aus Recycling-Beton hergestellt.

Wo sind die Grenzen der Wiederverwertung. Kann man damit alles bauen und wie oft kann Beton recyceln?

Untersteller: Bisher wurde das Material nur für den Unterbau von Straßen oder Bahnstecken genutzt. Ich möchte, dass es nun auch im Hochbau eingesetzt wird. Angefangen haben wir mit Gebäuden, bei denen zunächst 30 bis 40 Prozent Recycling-Beton beigemischt wurde. Mittlerweile gibt es aber auch Beispiele mit einem Zuschlag von 100 Prozent.

Was nach wie vor nicht geht, sind große, weit gespannte Brücken. Wie lange wird man brauchen, bis Gebäude komplett aus recyceltem Beton entstehen?

Untersteller: Solche Gebäude gibt es heute bereits in Zürich und auch vereinzelt in Baden-Württemberg. Ich hoffe, dass wir das in den nächsten zehn Jahren auch bei uns im Land in größerem Stil hinbekommen. Wir sind dabei, die gesetzliche Grundlage dafür zu schaffen.

Das Gesetz war gestern im Landtag. Bis wann soll es in Kraft treten?

Untersteller: Gestern war die erste Lesung. Ich hoffe, dass wir vor Weihnachten den Gesetzentwurf im Landtag verabschieden können.

Spielt die CDU mit?

Untersteller: Der Gesetzentwurf ist abgestimmt zwischen den Ressorts und den Koalitionspartnern. Baden-Württemberg ist damit wieder einmal Vorreiter in Deutschland. Es gibt kein Flächenland, in dem das Thema so vorangetrieben wird wie bei uns im Südwesten. Das hat die Kollegen von der CDU sicher auch überzeugt.

Sie werden bei der Landtagswahl nicht mehr antreten. Deshalb eine kurze Bilanz: Was hat Sie als Umweltminister rückblickend am meisten geärgert?

Untersteller: (lacht) Ärgern tue ich mich täglich, weil mir manches nicht schnell genug geht. Aber es steht nachher nicht in der Zeitung. Etwas enttäuscht bin ich im Moment darüber, dass wir das Integrierte Energie- und Klimaschutzkonzept in dieser Legislaturperiode nicht mehr beschließen konnten, mit dem wir konkrete Maßnahmen für einen besseren Klimaschutz formulieren wollten. Das hätte nicht sein müssen. Gewundert habe ich mich, dass Symbolthemen wie die Rückkehr des Wolfs oder das  Verbot von Schottergärten in den Medien eine so große Beachtung gefunden haben. Anderes dafür nicht: Im neuen Naturschutzgesetz stehen beispielsweise mit der Reduktion von Pflanzenschutzmitteln um 40 bis 50 Prozent im Land oder der Ausweitung des landesweiten Biotopverbunds auf 15 Prozent sehr viel wegweisendere Dinge drin, um die biologische Artenvielfalt im Land zu stärken.

Mit was möchten Sie in Erinnerung bleiben?

Untersteller: Ich war neuneinhalb Jahre Umweltminister in Baden-Württemberg – so lange wie kein Umweltminister zuvor. In Erinnerung bleiben möchte ich als jemand, der die Umwelt, die Natur und den Klimaschutz in Baden-Württemberg vorangebracht hat.

Quelle: Reutlinger General-Anzeiger; das Gespräch führte Davor Cvrlje