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Eine Welt ohne Eis?

Satellitenbild von abschmelzendem Meereis in der Sannikow-Straße im Nordpolarmeer
Die Aufnahme zeigt die Sannikow-Straße im Nordpolarmeer. Schmelzendes Meereis zieht den internationalen Schiffsverkehr an, darunter leidet das marine Ökosystem.

Die Folgen der Erderwärmung und des Klimawandels zeigen sich besonders drastisch an den Polen und in den hohen Berglagen. Denn dort schmelzen die Eismassen – und das immer schneller. Forschende befürchten, dass bis Ende des Jahrhunderts die Gletscher in den Alpen so gut wie verschwunden sein werden.

Selbst bei einer Erderwärmung von unter 2 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Situation wäre bis 2050 nur noch rund die Hälfte des Gletschervolumens der Alpen vorhanden; bis 2100 läge der Rückgang bei über 70 Prozent. Bei einer Erwärmung der Erde von 2,6 bis 4,8 Grad Celsius könnten bis zum Ende des Jahrhunderts sogar mehr als 90 Prozent aller Gletscher abgeschmolzen sein. Mit den Gletschern gehen weltweit prägende Landschaftselemente und wichtige Süßwasserspeicher verloren. Das geschmolzene Gletscherwasser landet über kurz oder lang im Meer. Geschmolzenes Festlandeis lässt den Meeresspiegel derzeit um 3,7 Millimeter pro Jahr steigen.

Auf der Kippe!

Im vergangenen Jahrzehnt war es um 1,1 Grad Celsius wärmer als in der Zeit vor der Industrialisierung. Geht es ungebremst weiter, wird die kritische Marke von 1,5 Grad Celsius Erwärmung bereits im Jahr 2030 erreicht – zehn Jahre früher als bislang gedacht. Wird es noch wärmer, könnten kritische Kipp-Punkte überschritten werden. Die Folge: der Klimawandel wird

sich nochmals beschleunigen. Einer dieser kritischen Kipp-Punkte ist das Schmelzen des Eises. Sonnenstrahlen werden momentan noch von Eis und Schnee ins All reflektiert, das sorgt für Kühlung. Schmilzt jedoch das Eis, kann es die Strahlung nicht mehr reflektieren und die Erde heizt sich weiter auf. Damit das Klima nicht kippt, müssen wir alles tun, um den Ausstoß von Treibhausgasen schnell und deutlich zu reduzieren!

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Satellitenbild des Upsala-Gletschers im Südpatagonischen Eisfeld

Gletscherschmelze in Patagonien 1

Patagonien in Südamerika weist weltweit den höchsten Verlust von Gletschereis pro Quadratmeter auf. 40 Meter Dicke haben die Gletscher seit 1960 eingebüßt. Der Upsala-Gletscher im Südpatagonischen Eisfeld, gehört zu den Gletschern mit den größten Eisverlusten. Das Satellitenbild zeigt den Upsala-Gletscher im Jahr 1985.

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Satellitenbild des Upsala-Gletschers im Südpatagonischen Eisfeld

Gletscherschmelze in Patagonien 2

Die Satellitenaufnahme des Upsala-Gletschers zeigt den Stand von 2021 Der Gletscher kollabiert in einem rasenden Tempo, mehr als 10 Kilometer Länge hat er bereits eingebüßt. Regelmäßig brechen Eisblöcke von der Größe eines mehrstöckigen Hauses ab und landen im Lago Argentino.

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Satellitenbild der Beaufort-See

Schmelzendes Meereis: Beaufort-See 2015

Die Ausdehnung des arktischen Meereises lässt sich seit den 1970er-Jahren sehr gut durch Satellitenbeobachtung erfassen. Das Satellitenbild zeigt die Beaufort-See im Jahr 2015. Die Beaufort-See liegt nördlich von Alaska und Kanada und ist eigentlich den größten Teil des Jahres komplett mit Eis bedeckt. Auf dem Bild ist aber zu erkennen, dass die ehemals durchgängige Eisdecke bereits in Schollen zerfallen ist.

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Satellitenbild der Beaufort-See

Schmelzendes Meereis: Beaufort-See 2016

Im Jahr 2016, also nur ein Jahr später, ist auf dem Satellitenbild mehr Wasser als Eis zu sehen. Das Verschwinden des Meereises treibt den Klimawandel voran. Denn anstelle von weißem Eis, welches das Sonnenlicht direkt ins All zurückreflektiert, trifft die Sonnenstrahlung nun auf eine dunkle Wasseroberfläche und erwärmt das Wasser. Das sorgt insgesamt für höhere Temperaturen, was zu einem weiteren Abschmelzen des Eises führt – im Wasser, aber auch an Land.

Wenn der Wind sich dreht – Stürme auf dem Vormarsch

Die globale Erderwärmung lässt nicht nur das Eis schmelzen, sie sorgt auch für ordentlich Wind. So wurden beispielsweise in der atlantischen Hurrikane-Saison 2020 30 Wirbelstürme gezählt. Viele so stark und so regenintensiv wie noch nie. Weil sich der Atlantik erwärmt, verdunstet mehr Wasser und wärmere Luft kann mehr Wasser aufnehmen – beides heizt die globale Windmaschine mächtig an und bringt uns stürmische Zeiten.

Wetterextreme mit viel Wind, hohen Niederschlägen oder Hitzewellen nehmen auch bei uns zu. 1999 und 2007 hinterließen die Orkane Lothar und Kyrill in Baden-Württemberg Spuren, die heute noch sichtbar sind. Im Winter 2010 sorgten lang anhaltende Schneefälle für Chaos in Europa. Die Hitzesommer 2018 und 2019 bescherten Deutschland neue Trockenrekorde. Im Herbst 2020 entstand über Griechenland ein Medicane, ein tropensturm-ähnliches Sturmtief. Im Sommer 2021 brachten Starkregenereignisse Verwüstung und Tod nach Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Wir brauchen deutlich mehr Anstrengungen im Klimaschutz, um die Klimafolgen abmildern zu können.

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Statellitenbild eines Medicanes im Setptember 2020 über Griechenland

Der Medicane Ianos

Im Jahr 2020 bildete sich über dem Mittelmeer ein sogenannter Medicane – ein tropensturmähnliches Sturmtief. Der Medicane Ianos zog im September 2020 über Griechenland hinweg, verbunden mit sehr hohen Windgeschwindigkeiten und starken Regenfällen.

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Satellitenbild des Hurrikans Maria und des Tropensturms José

Zwei Wirbelstürme gleichzeitig

Als Hurrikane werden tropische Wirbelstürme im nördlichen atlantischen Ozean bezeichnet. Die hohen Windgeschwindigkeiten, Wellen und schweren Niederschläge eines Hurrikans stellen eine große Gefahr dar. Die offizielle Hurrikan-Saison dauert im Atlantischen Ozean vom 1. Juni bis zum 30. November eines Jahres. Im September 2019 waren der Hurrikan Maria und der Tropensturm José nahezu gleichzeitig aktiv und hatten eine unglaubliche Zerstörungskraft.

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Foto des Auges des Tropensturmes Florence

Im Auge des Sturms

Am 12. September 2018 schoss der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst aus der internationalen Raumstation ISS dieses Foto des Auges des tropischen Wirbelsturms Florence aus sicheren 400 Kilometern Entfernung. Am 14. September traf Florence auf die US-amerikanische Ostküste und richtete in North- und South-Carolina ein wahres Inferno an.