Abwasser

Lagebericht Kommunales Abwasser 2015 veröffentlicht

Umweltminister Untersteller: „Auch wenn die Abwasserbeseitigung im Land inzwischen einen hohen Stand erreicht hat, steht uns in den kommenden Jahren noch viel Arbeit bevor, um unsere Gewässer flächendeckend in den gewünschten guten Zustand zu bringen.“

Das Umweltministerium hat heute (12.08.) den „Lagebericht Kommunales Abwasser 2015“ veröffentlicht. Er enthält unter anderem Informationen über die öffentliche Kanalisation und Regenwasserbehandlung im Land, die Reinigungsleistung sowie die Energieeffizienz der Kläranlagen, Maßnahmen zur Elimination von Spurenstoffen, den Umgang mit Klärschlamm oder über Investitionen und staatliche Förderung in der Abwasserbeseitigung.

Der Bericht zeigt, dass Ende 2014 in Baden-Württemberg rund 95 Prozent der organischen Gesamtverschmutzung, 78 Prozent Stickstoff und 91 Prozent Phosphor in den Kläranlagen abgebaut wurden. Umweltminister Franz Untersteller: „Das belegt zwar, dass die 944 kommunalen Kläranlagen im Land eine hohe Reinigungsleistung aufweisen und die Modernisierung von Abwasseranlagen in den letzten Jahrzehnten die Wasserqualität deutlich verbessert hat. Um den angestrebten „guten Zustand“ der Gewässer überall im Land zu erreichen, müssen ausgewählte Kläranlagen ihre Reinigungsleistung jedoch noch weiter erhöhen.“ Auch müssten weitere Regenwasseranlagen gebaut werden, zudem müsse das Regenwasser künftig noch besser behandelt werden, sagte der Minister.

Die Kosten für die in den nächsten Jahren in den Kommunen notwendige Sanierung der Kanalisation auf einer Länge von insgesamt rund 12.000 Kilometern, das entspricht rund 20 Prozent der Mischwasserkanäle und circa 14 Prozent der Schmutzwasserkanäle in Baden-Württemberg, sowie für Neubau, Modernisierung und Ausbau von Klär- und Regenwasseranlagen werden derzeit auf insgesamt rund 4,2 Milliarden Euro geschätzt. „Dabei werden die Städte und Gemeinden auch künftig auf die Unterstützung des Landes zählen können“ betonte Umweltminister Untersteller. Dieses Jahr fördere die Landesregierung Maßnahmen der Kommunen, die die Abwasserbeseitigung weiter verbessern, mit rund 57 Millionen Euro.

Der Umweltminister verdeutlichte auch die wichtige Rolle der Spurenstoffkonzeption für die Gewässerschutzpolitik des Landes. An wasserwirtschaftlich sensiblen Standorten sollen ausgesuchte Kläranlagen mit einer speziellen Stufe zur Elimination insbesondere von Arzneimittelrückständen und Haushalts-Chemikalien ausgebaut werden. „In Baden-Württemberg gibt es inzwischen zehn Kläranlagen, die entsprechend nachgerüstet wurden. Weitere neun Anlagen sind in der Planung oder im Bau“, sagte Untersteller. Das Land unterstütze die Städte und Gemeinden hierbei, indem es mindestens 20 Prozent der Kosten übernehme.

Daneben unterstützt das Land das Vorhaben der EU-Kommission, eine europäische Arzneimittelstrategie zu entwickeln, in der insbesondere ein quellenbezogener Ansatz verfolgt wird. „Arzneimittel, die schon gar nicht in unsere Gewässer gelangen, müssen wir auch nicht wieder mit viel Aufwand aus dem Wasser herausfiltern“, betonte der Umweltminister. Eine solche Strategie entspreche dem Vorsorgegedanke der baden-württembergischen Umweltpolitik.

„Erfreulich ist, dass der bei der Reinigung anfallende Klärschlamm zunehmend energetisch genutzt wird“, so Untersteller weiter. Nachdem der Anteil vor zwei Jahren bereits bei 91 Prozent lag, liegt er nunmehr bei rund 95 Prozent. „Es ist sehr aufwändig, den Klärschlamm aus dem Abwasser zu separieren. Es ist daher richtig und wichtig, ihn anschließend zur Erzeugung von Energie zu nutzen“, erklärte Franz Untersteller. Für das andernorts durchaus noch übliche Aufbringen des Klärschlamms auf landwirtschaftlichen Feldern zeigte der Umweltminister dagegen kein Verständnis: „Dies würde unsere Böden und unser Grundwasser mit Schwermetallen und Arzneimittelrückständen belasten. Und am Ende würden die Stoffe wieder erneut im Wasserkreislauf landen“, sagte Franz Untersteller.

Viel besser sei es, den Klärschlamm sowohl energetisch als auch stofflich zu nutzen, so der Minister. „Mit unserer Phosphor-Rückgewinnungsstrategie wollen wir den im Abwasser enthaltenen Phosphor auch aus dem Klärschlamm oder der Klärschlammasche zurückgewinnen.“ Die Landesregierung plane hierzu, die Untersuchung, die Weiterentwicklung sowie die großtechnische Umsetzung unterschiedlicher Phosphor-Rückgewinnungsverfahren in Pilotprojekten näher untersuchen zu lassen.

Ergänzende Informationen

Folgende Kläranlagen in Baden-Württemberg besitzen bereits eine sogenannte „vierte Reinigungsstufe“ zur Spurenstoffelimination: Böblingen-Sindelfingen, Mannheim, Kressbronn-Langenargen, Stockacher Aach, Mariatal (Ravensburg), Ulm/Neu-Ulm und Emmingen-Liptingen sowie die Kläranlagen Hechingen, Albstadt-Ebingen und Albstadt Lautlingen, die aufgrund der Farbproblematik (Textilindustrie) bereits seit circa 20 Jahren in Betrieb sind.

In Bau oder Planung befinden sich: Stuttgart, Karlsruhe, Laichingen, Lahr, Öhringen, Wendlingen, Freiburg, Westerheim und 2. Ausbaustufe Kläranlage Mannheim.

Weitere Informationen

Lagebericht Kommunales Abwasser

Zum Herunterladen

Phosphor-Rückgewinnungsstrategie [10/12; 322 KB]