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Umwelt und Natur
  • 20.11.2015

Umweltdaten 2015 für Baden-Württemberg vorgestellt

Umweltminister Franz Untersteller: „Die Eingriffe des Menschen in Natur und Umwelt erfordern konkrete Maßnahmen zum Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Die Umweltdaten liefern hierfür wichtige Informationen.“

Umweltminister Franz Untersteller und die Präsidentin der LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz, Margareta Barth, haben heute (20.11.) in Stuttgart die „Umweltdaten 2015“ für Baden-Württemberg vorgestellt. Der alle drei Jahre erscheinende Bericht stellt umfangreiche Daten und Informationen zu maßgeblichen Umweltbereichen zusammen. Neben den klassischen Umweltbereichen Wasser, Luft, Boden sowie Natur und Landschaft zählen hierzu auch technisch geprägte Themen wie Lärm oder Radioaktivität.

„Nachhaltigkeit ist in den letzten Jahren zu einem Markenzeichen baden-württembergischer Politik geworden“, erklärte Umweltminister Franz Untersteller. Neben ökonomischen und sozialen Aspekten spiele hierbei der Zustand von Natur und Umwelt eine zentrale Rolle. „Die Umweltdaten liefern wertvolle Hinweise, wie sich die Umweltsituation in Baden-Württemberg entwickelt hat. Sie belegen Erfolge, weisen aber auch auf weiteren Handlungsbedarf hin. Damit sind sie Wegweiser für die künftige Ausrichtung unserer Umweltpolitik.“

Die Umweltdaten beschreiben den Stand der nachhaltigen Entwicklung im Land mithilfe von 19 Umweltindikatoren. Margareta Barth erläuterte: „Sechs Indikatoren werden im vorliegenden Bericht hinsichtlich Zustand und Entwicklungstrend positiv bewertet. Weitere fünf Indikatoren zeigen zwar einen positiven Trend, sind jedoch noch weit vom Zielzustand entfernt. Vier Indikatoren sind negativ eingestuft. Weitere vier Indikatoren konnten wir mit der vorhandenen Datengrundlage derzeit noch nicht abschließend bewerten.“

Positiv hat sich beispielsweise der Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch entwickelt. Er hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Auch die Entwicklung der Treibhausgasemissionen ist positiv zu werten. Bei jährlichen, vorrangig witterungsbedingten und konjunkturellen Schwankungen weisen sie in den letzten 20 Jahren insgesamt einen rückläufigen Trend auf. Die Flächen für den Naturschutz, auf denen sich die Natur ohne belastende Eingriffe des Menschen entfalten kann, sind auf nunmehr 2,66 Prozent der Landesfläche gestiegen, wenngleich der Anteil streng geschützter Gebiete im bundesweiten Vergleich in Baden-Württemberg noch eher niedrig ist. „Die Ausweisung des Nationalparks Schwarzwald im Jahr 2014 war daher ein wichtiger Schritt hin zu mehr biologischer Vielfalt im Land“, betonte Umweltminister Untersteller.

Negativ hat sich der Zustand der Wälder nach einer zwischenzeitlichen Erholung in den letzten Jahren entwickelt. Auch der Umweltindikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“ verändert sich nachteilig. Er basiert auf den Bestandsentwicklungen ausgewählter Vogelarten, die mittelbar die Nachhaltigkeit der Landnutzung widerspiegeln. So ist der Bestand der drei häufigsten Feldvogelarten Goldammer, Feldsperling und Feldlerche zwischen 1999 und 2012 deutlich zurückgegangen. „Der negative Trend für diese Arten sowohl auf Ebene der EU als auch des Bundes hat sich somit leider auch in Baden-Württemberg fortgesetzt“, sagte LUBW-Präsidentin Barth.

„Die Bilanz in Sachen Luftqualität fällt gemischt aus“, erklärte Margareta Barth weiter. So haben sich die gemessenen Konzentrationen bei den klassischen Luftverunreinigungen Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Benzol und Blei in den letzten 20 Jahren stetig verbessert und liegen in ganz Baden-Württemberg weit unterhalb der vom Gesetzgeber festgelegten Grenzwerte. Die Stickstoffoxidemissionen in Baden-Württemberg sind zwischen 1994 und 2012 um fast die Hälfte (49 Prozent) zurückgegangen. An fast allen verkehrsnahen Messstationen lagen jedoch die gemessenen Konzentrationen der Immissionen von Stickstoffdioxid im Jahr 2014 zum Teil erheblich über dem Immissionsgrenzwert von 40 µg/m³.

Der ökologische Zustand der Fließgewässer im Land zeigt den aktuellen Umweltdaten zufolge weiterhin Defizite auf. Naturferne Gewässerstrukturen der seit über hundert Jahre zum Teil intensiv genutzten Flüsse, zum Beispiel aufgrund von Flussbegradigungen, und Wanderungshindernisse wie Wehre haben ihre Spuren hinterlassen und stören die im Gewässer lebenden Tiere. Hohe Phosphor-Konzentrationen in Flüssen und Seen fördern das Pflanzenwachstum in Gewässern und können damit indirekt zur erheblichen Belastung des Sauerstoffhaushaltes beitragen. Besonders gefährdet sind dabei langsam fließende Gewässerabschnitte wie die gestauten Bereiche von Neckar und Donau.

Spurenstoffe wie Arzneimittelrückstände werden in Fließgewässern zum Teil in deutlich messbaren Konzentrationen vorgefunden. An wasserwirtschaftlich sensiblen Standorten werden daher ausgesuchte Kläranlagen mit finanzieller Unterstützung des Landes mit einer speziellen Stufe zur Elimination insbesondere von Arzneimittelrückständen und Haushalts-Chemikalien ausgebaut. „Wichtig ist, dass schon möglichst wenig dieser Stoffe im Abwasser landen“, betonte Umweltminister Untersteller. So sollten zum Beispiel nicht benötigte Arzneimittel einzig und allein über die Restmülltonne entsorgt werden.

In Baden-Württemberg ist das Grundwasser großflächig durch Nitrat aus stickstoffhaltigen Düngemitteln belastet. Landwirtschaftliche Maßnahmen und Programme haben in den letzten 20 Jahren zu einer Abnahme der Nitratbelastung um 20 Prozent geführt.

Die Umweltdaten belegen auch, dass sich der Trend zu einer Erwärmung des Klimas in Baden-Württemberg fortgesetzt hat. „Seit Beginn des letzten Jahrhunderts hat die Jahresmitteltemperatur um circa 1,1 °C zugenommen“, erläuterte Margareta Barth. Im Jahre 2014 wurde ein neuer Temperaturrekord erreicht. Es war weltweit und in Deutschland das wärmste Jahr seit Beginn flächendeckender Temperaturaufzeichnungen im Jahr 1881. Auch das Jahr 2015 befindet sich mit dem zweitheißesten Sommer nach dem Jahrhundertsommer 2003 auf Rekordkurs. Abschätzungen der zukünftigen Klimaentwicklung gehen im Landesdurchschnitt von einer deutlichen Zunahme der Anzahl der Sommertage, also der Tage mit einem Temperaturmaximum von mindestens 25 °C, aus. Derzeit liegt die Zahl der Sommertage bei 30 Tagen. Für die nahe Zukunft (Zeitraum 2021 bis 2050) wird mit einer Zunahme in einer Bandbreite von 4 bis 18 Tagen gerechnet, in der fernen Zukunft könnte die Anzahl der Sommertage sogar auf über 70 Tage steigen.

„Die öffentlich zugänglichen Umweltdaten tragen dazu bei, Diskussionen über das Ausmaß und die Folgen von Umweltbeeinträchtigungen zu versachlichen“, sagte Umweltminister Franz Untersteller weiter. „Sie schaffen Transparenz und sie fördern die Akzeptanz für notwendige Schutzmaßnahmen.“ Mit der Verabschiedung des Umweltverwaltungsgesetzes im November 2014 wurde die Erstellung eines Berichtes über den Zustand von Umwelt und Natur daher auch gesetzlich festgeschrieben.

Weitere Informationen

Umweltdaten 2015 für Baden-Württemberg

Quelle: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft
LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz


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