Aktuelle Meldung

Atomenergie - Meldepflichtiges Ereignis
  • 20.08.2014

Fehlöffnung eines Vorsteuerventils an der Frischdampfarmaturenstation im Kernkraftwerk Philippsburg (Block 2)

Einstufung: Meldekategorie N (Normalmeldung) – Nach internationaler Bewertungsskala INES "Stufe 0" - Ereignis hat keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung

Der Block 2 des Kernkraftwerks Philippsburg befindet sich derzeit in der Revision. Nach Routineprüfungen an der Frischdampfarmaturenstation hat am 06.08.2014 ein Vorsteuerventil eines Frischdampfsicherheitsventils an einem Dampferzeuger mehrfach fehlerhaft geöffnet. Grund war jeweils das Auslösen einer Sicherung im Schaltanlageneinschub durch einen Kurzschluss in einem Elektromagneten.

Kurzschlüsse an den Elektromagneten waren bereits früher in drei anderen Kernkraftwerken bei diesem Magnettypen festgestellt worden und haben zu einer Weiterleitungsnachricht der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit geführt. Daher hatte der Betreiber den betreffenden Magneten vorsorglich vor dem Einsatz überprüfen lassen und ist deshalb zunächst von einer anderen Fehlerursache ausgegangen. Am 13.08.2014 wurde der Magnet im Herstellerwerk unter Beteiligung von Sachverständigen untersucht. Es wurde festgestellt, dass der gleiche Fehler wie in den anderen Kernkraftwerken vorlag. Deshalb wurde der Befund als systematischer Fehler gemeldet.

Einstufung durch den Kraftwerksbetreiber: Meldekategorie N (Normalmeldung); INES 0 (keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung)

Maßnahmen des Kraftwerksbetreibers: Der schadhafte Magnet des Vorsteuerventils wurde ausgetauscht.

Das Frischdampfsicherheitsventil wird über drei parallele Steuerleitungen mit je zwei in Reihe geschalteten Vorsteuerventilen gesteuert. Auch bei Ausfall eines Vorsteuerventils ist das Frischdampfsicherheitsventil voll verfügbar. Die konkrete sicherheitstechnische Bedeutung des Ereignisses ist daher gering. Es ergaben sich keine Auswirkungen auf Personen und Umwelt.

Ergänzende Informationen für die Redaktionen:

Die für die kerntechnische Sicherheit bedeutsamen Ereignisse sind den atomrechtlichen Aufsichtsbehörden der Länder nach den bundeseinheitlichen Kriterien der Atomrechtlichen Sicherheitsbeauftragten- und Meldeverordnung – AtSMV zu melden. Ziel des Meldeverfahrens ist, den Sicherheitsstand der Kernkraftwerke zu überwachen, dem Auftreten ähnlicher Fehler in anderen Kernkraftwerken vorzubeugen und die gewonnenen Erkenntnisse in sicherheitstechnische Verbesserungen einfließen zu lassen.

Die meldepflichtigen Ereignisse sind unterschiedlichen Kategorien zugeordnet (Erläuterungen zu den Meldekriterien für meldepflichtige Ereignisse):

Kategorie S (Unverzügliche Meldung).

Ereignisse, die der Aufsichtsbehörde unverzüglich gemeldet werden müssen, damit sie gegebenenfalls in kürzester Frist Prüfungen einleiten oder Maßnahmen veranlassen kann. Hierunter fallen auch die Vorkommnisse, die akute sicherheitstechnische Mängel aufzeigen.

Kategorie E (Meldung innerhalb von 24 Stunden).

Ereignisse, die der Aufsichtsbehörde binnen 24 Stunden gemeldet werden müssen, damit sie gegebenenfalls in kurzer Frist Prüfungen einleiten oder Maßnahmen veranlassen kann. Hierunter fallen auch die Ereignisse, deren Ursache aus Sicherheitsgründen in kurzer Frist geklärt und gegebenenfalls in angemessener Zeit behoben werden muss. In der Regel handelt es sich dabei um sicherheitstechnisch potentiell - aber nicht unmittelbar - signifikante Ereignisse.

Kategorie N (Meldung bis zum fünften Werktag).

Ereignisse, die der Aufsichtsbehörde innerhalb von 5 Werktagen gemeldet werden müssen, um eventuelle sicherheitstechnische Schwachstellen frühzeitig erkennen zu können. Dies sind in der Regel Ereignisse von geringer sicherheitstechnischer Bedeutung, die über routinemäßige betriebstechnische Einzelereignisse bei vorschriftsmäßigem Anlagenzustand und -betrieb hinausgehen. Unverfügbarkeiten von Komponenten/Systemen, die durch im Betriebshandbuch spezifizierte Prozeduren temporär beabsichtigt herbeigeführt werden, sind nicht meldepflichtig, wenn dies auch in der Sicherheitsspezifikation des Betriebshandbuches entsprechend berücksichtigt ist.

Internationale Bewertungsskala INES: Aufgrund einer Vereinbarung zwischen den Betreibern der Kernkraftwerke und dem Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit werden meldepflichtige Ereignisse in Kernkraftwerken auch nach der Bewertungsskala INES (International Nuclear and Radiological Event Scale) der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) und der Nuklearenergie-Agentur (NEA) der OECD bewertet. Sie hat eine rasche und für die Öffentlichkeit verständliche Bewertung eines Ereignisses zum Ziel.

Die Skala umfasst sieben Stufen:

1 - Störung

2 - Störfall

3 - ernster Störfall

4 - Unfall mit örtlich begrenzten Auswirkungen

5 - Unfall mit weitergehenden Auswirkungen

6 - schwerer Unfall

7 - katastrophaler Unfall

Meldepflichtige Ereignisse, die nach dem INES-Handbuch nicht in die Skala (1-7) einzuordnen sind, werden unabhängig von der sicherheitstechnischen Bedeutung nach nationaler Beurteilung der „Stufe 0” zugeordnet.


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