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Umwelt
  • 03.02.2016

Aktionsprogramm Jagst wird öffentlich vorgestellt

Umweltminister Franz Untersteller: „Mit dem Aktionsprogramm können wir die schlimmsten Folgen des Düngemittelunfalls beheben und die Ökologie der Jagst langfristig verbessern.“

Das vom Regierungspräsidium Stuttgart im Auftrag des Umweltministeriums und des Naturschutzministeriums erarbeitete „Aktionsprogramm Jagst“ wird heute Abend (03.02.) in Schöntal-Bieringen (Hohenlohekreis) der Öffentlichkeit vorgestellt. Anlass für das Aktionsprogramm war, dass ammoniumnitrathaltiges Düngemittel nach dem Mühlenbrand in Kirchberg im Landkreis Schwäbisch Hall am 23. August 2015 mit dem Löschwasser in die Jagst geflossen war und ein massives Fischsterben ausgelöst hatte.

Umweltminister Franz Untersteller zeigte sich anlässlich der heutigen Veröffentlichung des Programms zuversichtlich, dass die beeinträchtigten Flussabschnitte erfolgreich wiederbelebt werden können: „Das Aktionsprogramm soll dazu dienen, die eingetretenen ökologischen Schäden zu beheben und die Widerstandskraft der Jagst zu stärken. Darüber hinaus hat das Programm auch Modellcharakter, das heißt, wir wollen die Lehren aus den an der Jagst gemachten Erfahrungen ziehen, um künftig im unerwünschten Fall eines ähnlichen Ereignisses besser vorbereitet zu sein.“

Um diese Ziele zu erreichen, ist das Aktionsprogramm in die vier Module „Risiken minimieren für die Zukunft“, darunter fällt zum Beispiel die Optimierung der Alarm- und Einsatzplanung, „Monitoring & Maßnahmenableitung“, „Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerqualität“ sowie „Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerökologie“ aufgeteilt.

Das Land selbst hat bereits zeitnah erste Maßnahmen in Angriff genommen, um die Lebensbedingungen von Fischen und Kleintieren in der Jagst zu verbessern. So hat der Landesbetrieb Gewässer zum Beispiel im Bereich der Stadt Langenburg vergangenes Jahr die Jagst an elf Stellen naturnah umgestaltet. Zudem läuft bereits seit dem Sommer eine landesweite Überprüfungsaktion von mehreren Hundert Düngemittellagern in Gewässernähe. „Nach ersten Rückmeldungen der Behörden vor Ort hat die Aktion bereits jetzt Anlagenbetreiber sensibilisiert und dazu geführt, dass Betreiber ihre Sicherheitsmaßnahmen verbessert haben“, erklärte Untersteller. Außerdem zeichne sich ab, dass vielfach keine ausreichende Löschwasserrückhaltung vorhanden sei. Er gehe davon aus, dass das Ministerium noch im ersten Halbjahr 2016 eine Auswertung der bis Ende März laufenden Prüfaktion vorlegen könne, sagte Minister Untersteller. „Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse werden wir bei der Überarbeitung der bundesweiten Regeln zur Löschwasserrückhaltung einbringen.“ 

Naturschutzminister Alexander Bonde: „Maßnahmen zur Wiederherstellung der Artenvielfalt laufen – und werden auch künftig wissenschaftlich begleitet.“

Naturschutzminister Alexander Bonde erinnerte im Vorfeld der heutigen Veranstaltung an das gewaltige Fischsterben in der Jagst. Rund 20 Tonnen tote Fische wurden in den Tagen nach dem Brand aus der Jagst geborgen. Die aktualisierte Abschätzung der LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg und der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg (FFS) zu den ökologischen Auswirkungen des Großbrandes gebe dabei Anlass zur Sorge: „Die letzten Bestandsaufnahmen bestätigen leider die ursprüngliche Befürchtung, dass die Kiemen zunächst überlebender Fische zum Teil erheblich geschädigt sind. Außerdem sind die Fische stark mit Parasiten befallen, da ihre Widerstandskraft durch die Schädigungen geschwächt ist. Für das Frühjahr 2016 ist daher ein weiteres Fisch-Monitoring geplant, erst dann wird klar sein, wie sich der Fischbestand tatsächlich über den Winter entwickelt hat und welche Maßnahmen zur Wiederherstellung der Artenvielfalt notwendig sind.“

Erfreulich sei, so Bonde weiter, dass die Großmuscheln jüngsten Erkenntnissen zufolge nicht wesentlich geschädigt worden seien. Trotz der überwiegend positiven Ergebnisse des Muschel-Monitorings ließen sich mögliche, negative Langzeitwirkungen auf den Muschelbestand in der Jagst nicht gänzlich ausschließen.

„Ein zentraler Baustein im Aktionsprogramm, um eine erfolgreiche Wiederherstellung der Artenvielfalt in der Jagst zu erreichen, ist vor allem die Verbesserung der Gewässerökologie. Dazu zählen Strukturmaßnahmen im Uferbereich ebenso wie die Beseitigung von Wanderhindernissen“, sagte Minister Bonde. 

Regierungspräsident Johannes Schmalzl betonte, dass im Aktionsprogramm alle für das Gewässer relevanten Faktoren berücksichtigt werden sollen. Es werde ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt, der die Fachbereiche Wasserwirtschaft, Natur- und Artenschutz, Fischerei, Landwirtschaft, Immissionsschutz, Baurecht und Katastrophenschutz beziehungsweise Feuerwehr umfasst. Schmalzl führte weiter aus, dass es sich beim Aktionsprogramm um ein für weitere Ergänzungen und Anpassungen offenes Konzept handle, in das sich neben den Landesbehörden auch die betroffenen Kommunen, Verbände und interessierte Bürgerinnen und Bürger einbringen können: „Mit der heutigen Veranstaltung wollen wir den Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit geben, unseren Vorschlag des Aktionsprogramms zu diskutieren und eigene Überlegungen und Vorstellungen vorzubringen.“

Interessierte Bürgerinnen und Bürger, die Ideen und Anregungen für das Aktionsprogramm Jagst haben, können sich auch per E-Mail direkt an das Regierungspräsidium Stuttgart wenden unter: Abteilung5@rps.bwl.de

Weitere Informationen

Aktionsprogramm Jagst zur Wiederbelebung, Verbesserung und ökologischen Stabilisierung der Jagst für die Zukunft
Aktualisierte Abschätzung der LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg
Aktualisierte Abschätzung Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg (FFS)
Aktionsprogramm Jagst vorgestellt

Quelle: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg
Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg
Regierungspräsidium Stuttgart Baden-Württemberg


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