Lastmanagement

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Stabilität ist auch eine Frage des Verbrauchs

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    Quelle: @lassedesignen/Fotolia.com

Die Versorgungssicherheit in Baden-Württemberg hängt von vielen Faktoren ab. Zentral sind die erneuerbaren Energiequellen, die uns künftig mit Strom versorgen – und die sie umgebende Infrastruktur drum herum: flexible konventionelle Kraftwerke, moderne Speicher und intelligente Netze. Was in diesem Puzzle noch fehlt, sind wir, die Verbraucher. Denn auch unser Verhalten hat Einfluss auf die Versorgungssicherheit.

Versorgungssicherheit setzt voraus, dass Strombedarf und ‑erzeugung im Einklang stehen – auch wenn Wind und Sonne und damit die Erträge der regenerativen Energien schwanken. Ein Hebel dafür ist mehr Dynamik im Verbrauch. Die Lösung klingt simpel: Wenn unsere Nachfrage nach Strom so flexibel ist wie das Angebot, entstehen keine Engpässe. Das ist selbst im Privathaushalt in gewissem Maße möglich.

Mehr Flexibilität im Haushalt

Klimaaggregate, Wärmepumpen oder die Ladesteuerung von Elektrofahrzeugen könnten gezielt beginnen zu laufen, wenn viel Wind- und Solarstrom im Netz ist, Elektroautos also genau dann ihre Batterien aufladen. Neu ist das Prinzip nicht: Verbraucher kennen es aus dem Heizbereich, für den die Stromanbieter schon heute günstigere Tarife in sogenannten Schwachlastphasen anbieten. Während diese Phasen bisher wegen schwerfälliger, konventioneller Grundlast allerdings relativ gut voraussehbar waren, ändert sich das nun.

Der Verbrauch muss daher nicht nur zeitlich verschiebbar, sondern idealerweise auch flexibel und intelligent zu steuern sein. Ein wichtiger Baustein dafür sind „Smart Meter", intelligente Stromzähler, die Transparenz herstellen. Sie könnten zu Hause künftig anzeigen, wann elektrische Energie günstig zur Verfügung steht und damit Anreize dafür setzen, dass Haushaltsgeräte entsprechend programmiert erst dann ans Netz gehen.

Sind „Smart Meter" zudem in ein auch auf der Verteilebene intelligentes Stromnetz eingebunden, können sie regelmäßig Verbrauchsdaten kommunizieren, dies anonymisiert, um die Datenschutzrichtlinien zu erfüllen. So tragen sie dazu bei, dass Über- wie Unterversorgung rechtzeitig vorhergesehen wird – und korrigierend eingegriffen werden kann. Visionäre sprechen dann von „Smart Markets" und „Smart Grids": Gemeint sind schnell reagierende Märkte, auf denen Energiemengen entsprechend Angebot und Nachfrage gehandelt werden, und Netze, die die notwendigen Übertragungskapazitäten dafür bieten.

Beim Lastmanagement ist auch die Wirtschaft gefragt

Wird der Verbrauch dynamisch an die schwankende Stromerzeugung angepasst, sprechen Experten vom Lastmanagement oder dem „Demand-Side-Management" (DSM). Dabei sind nicht nur Privathaushalte beteiligt, sondern auch das verarbeitende Gewerbe – immerhin macht der industrielle Strombedarf etwa 55 bis 60 Prozent des Gesamtstrombedarfs in Baden-Württemberg aus.

In einer aktuellen Studie für Agora Energiewende – einem Think Tank im Bereich Energie – haben das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe und die Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft in München herausgefunden, dass die Industrie in Süddeutschland einen großen Teil ihres Strombedarfs durch flexiblere Prozesse zeitlich verschieben und so einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten könnte. Konkret heißt das, dass Anlagen zu arbeiten beginnen, wenn viel Strom eingespeist wird bzw. dann heruntergefahren werden und vom Netz gehen, wenn Engpässe drohen (= Spitzenlastreduktion).

Natürlich können schwere Maschinen oder Fließbänder nicht einfach pausieren. Anderswo funktioniert die Flexibilisierung aber sehr wohl: In der Chemieindustrie eignet sich etwa die Chlorherstellung besonders gut fürs Lastmanagement, in anderen Branchen sind es energieintensive Anlagen wie Elektrostahlöfen, Zementmühlen oder Holzschleifer für die Holzstoffherstellung.

Dass die Industrie bei drohender Netzinstabilität Lasten abschaltet, ist im Übrigen keine reine Zukunftsvision, sondern bereits Praxis: Seit 2013 können Übertragungsnetzbetreiber mit industriellen Großverbrauchern Konditionen aushandeln, damit diese bei drohenden Engpässen kurzfristig vom Netz gehen. Für diesen Beitrag zur Versorgungssicherheit sowie fürs tatsächliche Abschalten erhalten sie dann eine Entschädigung. Das Verfahren schließt jedoch mittelständische Verbraucher aus, weshalb sich Baden-Württemberg für eine zielführende Reform im Strommarkt stark macht.

(Quelle: www.energiewende.baden-wuerttemberg.de)


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