Kapazitätsmarkt

Marktdesign

Kapazitätsmarkt

Sonne und Wind statt Kernenergie und Kohle: Weil sich unsere gesamte Stromversorgung verändert, müssen wir auch den Energiemarkt umgestalten. In der wissenschaftlichen und politische Diskussion sind daher zur Zeit Kapazitätsmechanismen angedacht. Sie sollen den bereits existierenden Energy-only-Markt ergänzen, um das hohe Niveau an Versorgungssicherheit auch zukünftig gewährleisten zu können.

Der Großteil der Stromhandelsgeschäfte werden an der Leipziger Strombörse abgeschlossen. Dabei gilt: Nur tatsächlich gelieferte Energie wird bezahlt, und jene Kraftwerksbetreiber mit den günstigsten Geboten erhalten den Zuschlag. Zunächst kommen daher die Kraftwerke mit den niedrigsten Produktionskosten (kurzfristige Grenzkosten) zum Zug – erneuerbare Energien. Dann folgen konventionelle fossile Anlagen, in der Regel zunächst Kern- und Braunkohlekraftwerke, je nachdem, wie viel Last gedeckt werden muss, können auch Betreiber von Steinkohle-, Gas- und Ölkraftwerken ihre Kapazitäten verkaufen.

Strom aus diesem konventionellen Kraftwerkspark wird also nur abgenommen, wenn erneuerbare Energien nicht in ausreichendem Maße die Versorgung gewährleisten können. Aufgrund des politisch gewollten stetigen Ausbaus erneuerbarer Energien sinkt die Stromerzeugung konventioneller Anlagen. Mittlerweile wird mehr als ein Viertel der Bruttostromerzeugung den erneuerbaren Kraftwerken zur Verfügung gestellt. Vor diesem Hintergrund sehen viele Betreiber konventioneller Kraftwerke die Auslastung und damit Wirtschaftlichkeit ihrer Anlagen nicht mehr gewährleistet. Kraftwerksstillegungen sind die Folge. Dadurch besteht die Gefahr, dass beim nächsten Engpass nicht mehr ausreichend gesicherte Leistung aus konventionellen Kraftwerken zur Verfügung steht.

Auf dem Kapazitätsmarkt ist das anders: Dort lässt sich bereits mit dem Vorhalten von Erzeugungskapazitäten Geld verdienen. Dann sind nicht nur Kraftwerke im Betrieb ein Erlösmodell, sondern auch Kraftwerke, die betriebsbereit stehen, um in Hochlastphasen Versorgungslücken zu füllen. Investitionen in moderne Technologien lassen sich durch diese Einnahmen gegenfinanzieren.

Auch Stromspeicher und abschaltbare bzw. steuerbare Lasten sind Güter auf einem Kapazitätsmarkt, der Marktmechanismus stellt dabei Transparenz sicher. So könnten künftig Kraftwerkskapazitäten ausgeschrieben werden und jener Betreiber bekommt den Zuschlag, der Kriterien wie Preis, Effizienz oder Klimafreundlichkeit am besten erfüllt.

Nachteile des Energy-only-Marktes

Grüner Strom hat Vorfahrt: Netzbetreiber müssen ihn jederzeit einspeisen – sofern die Netzsituation dies zulässt. Weil der Anteil der Energie aus erneuerbaren Quellen in den vergangenen Jahren gestiegen ist, wird immer weniger konventioneller Strom benötigt. Das ist im Prinzip genau das Ziel der Energiewende – und der einzige Weg, unsere selbstgesetzten Klimaziele zu erreichen. Ganz ohne die konventionellen Kraftwerke kommen wir aber nicht aus. Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, müssen wir mittelfristig noch auf Gas- und Kohlestrom zurückzugreifen – der als schnelle Reserve nur aus modernen und effizienten konventionellen Kraftwerken kommen kann.

Doch die haben es auf unserem heutigen Energy-only-Markt schwer: Dort hat zum Beispiel günstige Energie aus schwerfälligen Braunkohlekraftwerken Vorzug vor Strom aus effizienteren und klimaschonenderen Gas- und Dampf-Kraftwerken. Der grüne Strom aus Erneuerbaren verdrängt also zuerst die modernsten konventionellen Alternativen, in die deshalb nicht weiter investiert wird. Ursache ist der sogenannte Merit-Order-Effekt, der für Energieerzeuger eine Art „Kostenreihenfolge“ festlegt (sprich: preisgünstigste Angebote zuerst).

Kapazitätsmechanismen können in unterschiedlichem Ausmaß in den künftigen Energiemarkt integriert werden – Experten sprechen etwa von umfassenden und fokussierten Kapazitätsmärkten, je nachdem wer bei den Auktionen bieten darf und nach welchen Kriterien die vorgehaltenen Kapazitäten entlohnt werden. Eine Alternative ist eine „stille“ oder „strategische Reserve“ fossiler Kraftwerke, die einmalig über eine Auktion eingekauft wird.

Nachdem sich das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie nach einem breiten und transparenten Diskussionsprozess mit Fachleuten, Wirtschaft und Verbrauchern sowie unseren europäischen Nachbarn im Herbst 2015 für eine Weiterentwicklung des Energy-only-Marktes entschieden hat, werden die dargestellten Alternativen bis auf weiteres Theorie bleiben. 


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